Opfer von Menschenhandel endlich schützen

Die Schweiz soll die Konvention des Europarates gegen Menschenhandel unterzeichnen und ratifizieren. Dies fordern das FIZ - Fraueninformationszentrum für Frauen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa und weitere 21 Nichtregierungsorganisationen in einem Brief an Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey und Bundesrat Christoph Blocher sowie an den Präsidenten der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und –direktoren (KKJPD), Markus Notter. Die Ratifizierung tut Not, umso mehr als der Bund in Zukunft mit noch mehr Opfern von Menschenhandel rechnet, wie dem jüngsten Bericht über die Innere Sicherheit des Bundesamts für Polizei (fedpol) zu entnehmen ist.

Rechtsverbindlicher als UNO-Zusatzprotokoll 

Mit der Umsetzung der Konvention in der Schweiz würden die Opfer von Menschenhandel besseren Schutz erhalten, schreibt das FIZ in einer Medienmitteilung. Die Konvention des Europarates ist gemäss FIZ eine ideale Ergänzung zum im vergangenen Jahr von der Schweiz ratifizierten UNO-Zusatzprotokoll gegen Menschenhandel. Sie sei rechtsverbindlicher und biete den Regierungen Handlungsanweisungen, um Menschenhandel effektiv zu bekämpfen und den Schutz der Menschenrechte der Betroffenen zu gewährleisten.

Die Konvention gegen Menschenhandel des Europarates ist bisher noch nicht in Kraft. Dafür müssten mindestens zehn Staaten ratifizieren. Es fehlen derzeit noch drei Ratifizierungen. 

Betroffene stehen unter enormem Druck

Das FIZ berät seit Jahren weibliche Opfer von Menschenhandel in der Schweiz. Es schreibt in Bezug auf die Praxis in der Schweiz, dass sich diese von Kanton zu Kanton unterscheide. In der Regel würden die Betroffenen von Menschenhandel umgehend ausgeschafft, ohne jeglichen Zugang zu Opferschutz. Nur in Einzelfällen werde Betroffenen eine vierwöchige Bedenkfrist gewährt, in der sie entscheiden könnten, ob sie zu Aussagen im Ermittlungsverfahren bereit sind. Nur wenn sich die Opfer bereit erklärten, gegen die Menschenhändler auszusagen, könnten sie überhaupt eine befristete Bewilligung erhalten. Dies setze die oft schwer traumatisierten Betroffenen nicht nur unter massiven Druck, sondern bringe sie auch in Gefahr seitens der Täterschaft.

Fedpol: «Deutlich mehr Opfer »

Derweil schreibt das fedpol in seinem Bericht zur Inneren Sicherheit 2006, dass die Schattenwirtschaft im Rotlichtmilieu schweizweit floriere, was wiederum Menschenhandel und Zwangsprostitution begünstige. Im vergangenen Jahr wurden demnach grosse Fälle mit bis zu 100 und somit deutlich mehr Opfern pro Fall als in der Vergangenheit aufgedeckt. Die Behörden gehen von einer hohen Dunkelziffer aus und schätzen, dass bis zu 3000 Menschen in der Schweiz jährlich gehandelt werden. Der Trend zum Anstieg des Menschenhandels in der Schweiz halte vermutlich auch künftig an, schreibt das fedpol weiter. 

Weiterführende Informationen

Update: 31.05.2007

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