Massenhafte Personenkontrollen  - präventive Verhaftungen - demütigende Behandlungen

Die Organisatoren der Anti-WEF-Kundgebung vom Samstag 22. Januar 2005 hatten auf eine Grossdemonstration auf dem Bundesplatz in Bern verzichtet. Stattdessen riefen sie zu mehreren dezentralen Aktionen in der Stadt auf. Begründet wird der Verzicht damit, dass das Anti-WEF-Bündnis auf das Szenario einer Konfrontation nicht einsteigen wolle. Zuvor hatte der Berner Gemeinderat entschieden, dass die Anti-WEF-Kundgebung auf dem Bundesplatz stattfinden kann. Gleichzeitig hatte er den Veranstaltern jedoch die Bewilligung für einen Umzug verweigert. Zuvor hatte die Berner Stadtpolizei in einer ersten Stellungnahme zum Demonstrationsgesuch eine Kundgebung nur am Stadtrand von Bern vorgesehen, worauf die Organisatoren mit einem offenen Brief (siehe unten) antworteten. In diesem hatten sie die Verantwortlichen an ihre Grundrechte erinnert.

Trotz dieser Ausgangslage war die Polizei am 22. Januar 2005 mit einem interkantonal verstärkten Grossaufgebot präsent. Im Berner Bahnhof und in der ganzen Innenstadt kam es an Polizeisperren zu unzähligen Personenkontrollen (nach Angaben der Polizei genau 654). Aufgrund mitgeführter Utensilien - bis hin zum Fotoapparat - wurden präventiv mind. 84 Personen vorübergehend verhaftet. Das Anti-WEF-Bündnis bezeichnete die Polizeiaktionen als völlig unverhältnismässig; diese Einschätzung teilt die Mediengewerkschaft Comedia. Zwei Journalisten wurden in Ausübung ihres Berufs am 22. Januar in Haft genommen und stundenlang festgehalten. Der eine berichtete von Fesselung in Handschellen, Käfighaltung und dem Zwang, sich völlig entkleiden zu müssen. Er hat dieses Verfahren als gezielte Demütigung erlebt, was es auch war.

Update: 27.01.2005

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