Häusliche Gewalt gegen ältere Personen 

Ältere Menschen werden im Kontext häuslicher Gewalt kaum beachtet. Doch ähnlich wie Frauen und Kinder sind sie wegen ihrer grösseren Abhängigkeit und geringeren Macht besonders gefährdet, dies eine Feststellung von Alberto Godenzi in seiner Abhandlung «Gewalt im sozialen Nahraum» (Basel 1994).

Besondere Risikofaktoren

Allen voran sind Frauen betroffen, so Godenzi weiter, dies aus nahe liegenden Gründen. Sie haben eine um mehrere Jahre höhere Lebenserwartung und sind, da sie zumeist ältere Partner heirateten, sehr oft verwitwet. Zudem sind verwitwete oder allein lebende Frauen neben den alleinerziehenden Müttern für Armut besonders gefährdet. Dies ist ein weiterer Faktor, der sie von der Menschlichkeit ihrer Umwelt abhängig macht. Körperliche oder geistige Behinderungen verschärfen die Lage.

Innerfamiliäre Abhängigkeiten begünstigen Gewalt in der Familie. Die Abhängigkeit kann persönlich, sozial oder finanziell sein. Dabei scheint es nicht relevant, ob die gepflegte oder die pflegende Person von der anderen abhängig ist. 

Auf Seite der Pflegenden können einige Faktoren Gewalt fördern. Dazu zählen u.a. langfristige psychische und physische Belastungen, Erschöpfungszustände, Bandscheibenvorfälle, Magen- und Herzkrankheiten der pflegenden Personen. Hinzu kommen, so Godenzi, psychische oder soziale Abweichungen (kriminell, psychiatrisiert, Drogenmissbrauch). Ebenfalls bedeutsam ist, ob die pflegende Person einschneidende kritische Lebensereignisse in jüngster Zeit zu verarbeiten hatte.  

Statistische Angaben

Im deutschen Sprachraum gibt es kaum Studien zu häuslicher Gewalt gegen ältere Menschen. Vorsichtigen internationalen Schätzungen zufolge sind 5-10% der Menschen, die zu Hause von Familienangehörigen gepflegt werden, irgendeiner Form von Gewalt ausgesetzt. Physische Gewalt, Vernachlässigung oder Drohungen zur Kooperation werden als Beispiele genannt, oftmals lassen sich auch Opfer und Täter nicht deutlich voneinander abgrenzen.

Bereich Sexuelle Gewalt 

An sexuellen Gewalterfahrungen älterer Frauen werden bei Opferhilfestellen v.a. Fälle durch Ehe- und Lebenspartner registriert. Demgegenüber sind Polizei und Justiz v.a. Fälle des Exhibitionismus bekannt. In ersterem Fall führt die nach wie vor geprägte Vorstellung «ehelicher Pflichten» dazu, dass die Opfer zwar ein Ende der Gewalt anstreben, für sie jedoch weder Trennung noch Strafanzeige in Frage kommen. Das Sprechen über sexuelle Gewalt ist stark schambesetzt, älterer Frauen sprechen sie selten von sich aus an. Thematisch offene Hilfe- und Beratungsangebote sind demnach leichter zugänglich als hochgradig speziaisierte Einrichtungen. Insgesamt sind ältere Frauen jedoch seltener Opfer sexueller Straftaten als jüngere Frauen, so die Ergebnisse einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

Weitere Informationen

Update: 05.01.2011

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