Wer ist eigentlich «indigen»?
Die Bezeichnung «indigenus» stammt aus dem Lateinischen und bedeutet «eingeboren» oder «einheimisch». Eine völkerrechtliche Definition des Begriffs «Indigene Völker» wurde mit der Errichtung der United Nations Working Group on Indigenous Populations im Jahre 1982 entwickelt, um bestimmen zu können, wer überhaupt in dieser Arbeitsgruppe teilnehmen und mitreden sollte.
U.N. Working Definition of Indigenous Populations / Peoples
(adapted by the UN Working Group on Indigenous Populations in 1982)
Indigenous populations are composed of the existing descendants of peoples who inhabited the present territory of a country wholly or partially at the time when persons of a different culture or ethnic origin arrived there from other parts of the world, overcame them, and by conquest, settlement or other means, reduced them to a non-dominant or colonial situation; who today live more in conformity with their particular social, economic and cultural customs and traditions than with the institutions of the country of which they now form a part, under a State structure which incorporates mainly the national, social and cultural characteristics of other segments of the population which are predominant.
Although they have not suffered conquest or colonization, isolated or marginal groups existing in the country should also be regarded as covered by the notion of «indigenous populations» for the following reasons:
- they are descendants of groups which were in the territory at the time when other groups of different cultures or ethnic origins arrived there;
- precisely because of their isolation from other segments of the country’s population they have preserved almost intact the customs and traditions of their ancestors which are similar to those characteristics as indigenous, and
- they are, even if only formally, placed under a State structure which incorporates national, social and cultural characteristics alien to theirs.
Quelle: U.N. Economic and Social Council Commission on Human Rights, Preliminary Report of the Problem of Discrimination Against Indigenous Populations. U.N. Document E/CN.4/Sub.2/L.566, Chapter 11.
Aus der UN Working Definition sind die folgenden vier Hauptkriterien der Indigenität hervorzuheben:
- Historische Kontinuität: Indigene können historische Kontinuität mit den Ureinwohnern eines bestimmten Landes oder Gebietes vor dessen Eroberung oder Besiedlung von aussen vorweisen.
- Kulturelle Differenz: Indigene Völker fühlen sich nicht der Kultur der dominanten Gesellschaft des Staates, in dem sie leben, zugehörig; sie beabsichtigen, ihre kulturellen Eigenheiten, Traditionen und soziopolitischen Organisationsformen zu bewahren.
- Nicht-Dominanz: Indigene Völker nehmen eine gesellschaftliche Randstellung innerhalb des Staates ein, in welchem sie leben.
- Selbstidentifikation: Von zentraler Bedeutung ist ferner das Bewusstsein der Einzelperson, einem indigenen Volk anzugehören, wie auch ihre Akzeptanz als Mitglied dieser Gruppe durch die Gruppe selbst.
Im Anfangsstadium des indigenen Aktivismus der UNO galten nur jene Gruppen als indigen, welche in den ehemaligen europäischen Siedlerkolonien Amerikas, Australiens und der Pazifikregion lebten. Eher umstritten ist die Anwendung des Begriffs «indigen» in Asien und Afrika, weil dort im Zuge der Dekolonialisierung überwiedend einheimische Machteliten eingesetzt wurden. Deshalb wird von Seiten der Betroffenen in diesen Regionen auch von «internem Kolonialismus» gesprochen, um auf die Marginalisierung bestimmter ethnischer Gruppen aufmerksam zu machen. Die Situation solcher Minderheiten ähnelt jener indigener Völker in anderen Teilen der Welt. Die betroffenen Regierungen akzeptieren den Begriff «indigen» im Sinne von «native» aber nicht, mit der Begründung, dass andere Bevölkerungsgruppen und Mehrheiten ebenfalls bereits seit langer Zeit das heutige Staatsterritorium besiedelten. Oft ist nicht schlüssig belegt, wer zuerst in einer bestimmten Region ansässig war.
Das Konzept des Schutzes der Indigenität ist mit speziellen politischen Zielen verbunden. Es kann zur Anklage historischer wie auch aktueller Ungerechtigkeiten gegen indigene Völker und in der Folge zur Begründung spezifischer Rechte führen, welche von der internationalen Staatengemeinschaft eingefordert werden.
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Update: 28.03.2012


