Erläuterungen zu Corporate Social Responsibility (CSR)
Im Unterschied zum Begriff «Corporate Social Responsibility» (CSR) ist das deutsche Wort «Unternehmensverantwortung» nicht eindeutig abgegrenzt. Im Englischen werden für Unternehmensverantwortung zwei Begriffe verwendet, die auf unterschiedliche Umsetzungskonzepte verweisen: «Corporate Social Responsibility» (CSR) bezieht sich eher auf Massnahmen zur grösseren Selbstverantwortung von Unternehmen, «Corporate Accountability» (CA) wird eher verwendet, um rechtlich verbindliche Regulierungen für Unternehmen zu fordern. Bislang lag auf internationaler Ebene das Schwergewicht eher auf dem Konzept der «Corporate Social Responsibility». Der deutsche Begriff «Unternehmensverantwortung» wird meist in beiden Zusammenhängen verwendet.
Zum Konzept der CSR
Unter «Corporate Social Responsibility» wird gewöhnlich ein Konzept verstanden, nach welchem Unternehmen ihre Handlungsfreiheit durch die freiwillige Übernahme außerrechtlicher Standards und Dialoge mit Betroffenen einschränken, um so negative Auswirkungen auf Umwelt und Menschenrechte zu reduzieren. Dabei ist in der freiwilligen Integration von Umwelt- und Sozialstandards ein «Mehr» gegenüber staatlicher Regulierung und unternehmerischer Rechtsbeachtung zu sehen.
Grundlage eines solchen Verständnisses ist die Auffassung, die Hauptaufgabe eines Unternehmens bestehe darin, in einem staatlich garantierten Markt mittels Produktion von Waren und Dienstleistungen Werte zu schaffen. Die Gesellschaft kann so ihre (Konsum-) Bedürfnisse befriedigen, Arbeitsplätze finden und individuellen Wohlstand schaffen. Unternehmen sollten dabei Gewinne erwirtschaften, die sie je nach Eigentumsform privat verwerten oder – wie im Fall einer Aktiengesellschaft – an ihre Eigentümer weitergeben.
Neue Formen des sozialen und des Marktdrucks bewirken jedoch einen allmählichen Wandel der Werte und der Ausrichtung der unternehmerischen Tätigkeit über die reine Gewinnmaximierung hinaus. Einige Unternehmen haben erkannt, dass der Weg zu dauerhaftem wirtschaftlichen Erfolg und Shareholder Value nicht allein über eine kurzfristige Profitmaximierung führt, sondern vielmehr über marktorientiertes, aber sozial verantwortliches, Handeln. Und viele Unternehmen wissen im Prinzip, dass sie zur nachhaltigen Entwicklung beitragen können, wenn sie ihre Tätigkeit so gestalten, dass sie Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit fördern und gleichzeitig Umweltschutz und soziale Verantwortung praktizieren.
In vielen nationalen Rechtsordnungen ist dieser positive Beitrag zur Verwirklichung der Menschenrechte und zum Umweltschutz nicht gesetzlich geregelt. Durch das Konzept der «Corporate Social Responsibility», das heißt der freiwilligen Übernahme gesamtgesellschaftlicher Ziele durch Unternehmen, sollen Unternehmen angehalten werden, ihren Beitrag als Teil der Gesellschaft zu leisten. Das Konzept der «Corporate Social Responsibility» betrifft damit das Füllen einer Umsetzungslücke durch außerrechtliche Mechanismen. Ihm sind somit Initiativen zuzuordnen, bei denen es um Berichterstattung, Transparenz und Beteiligungsformen geht, die nicht gesetzlich vorgeschrieben sind, dem Unternehmen jedoch Vorteile im Image und Marktzugang (via Qualitätsstandards und Siegel) sowie eine externe Einschätzung durch Investoren ermöglichen.
Freiwilligkeit als Grundprinzip
Kern dieser Initiativen sind Selbstverpflichtungen und freiwillige Initiativen, die mit dem Universalitätscharakter der Menschenrechte nicht in Übereinstimmung zu bringen sind, da sie eine oder mehrere der folgenden Eigenschaften aufweisen: sektorale und geographische Begrenzung, Konzentration auf bestimmte Produkte oder ausgewählte Marken sowie ein begrenzter Regulierungsumfang und/oder eine fehlende externe Kontrolle.
Um diese Defizite zu verringern, hat sich eine neue Generation der «Multistakeholder Initiatives» von CSR-Initiativen entwickelt, die Standardsetzung und Dialog verbinden sowie die Verbesserung von Berichts-, Kontroll- (monitoring) und Zertifizierungssystemen (auditing) anstrebt. Ergänzt werden derartige Initiativen durch Public-Private-Partnerships, d.h. Kooperationen zwischen Behörden und Unternehmen zur Erreichung öffentlicher Ziele.
Kritik zu Corporate Social Responsibility
- Behind the mask: The real face of CSR
Christian Aid, 2005 (pdf, englisch, 68 S.)
Weiterführende Links zum Thema
- Soziale Verantwortung von Unternehmen
Dokumentation der Europäischen Kommission
- CSRwire – The Corporate Social Responsibility Newswire Service
Quelle für News, Studien, Medienmitteilungen zum Thema (englisch) - Business for Social Responsability
Netzwerk von 250 Firmen (englisch) - International Business Ethics Institute
Internationale NGO seit 1994 (englisch) - Center for Corporate Responsibility and Sustainability (CCRS)
Zentrum für nachhaltige Unternehmens- und Wirtschaftspolitik an der Universität Zürich - Simple Gewinnmaximierung ist vorbei
Interview mit Eric Sarasin im Tages Anzeiger vom 11.11.2000 (pdf, 2 S.)
Update: 01.10.2009


