HIV/AIDS: Zugang zu Medikamenten

Eine der grössten mit Menschenrechten zusammenhängenden Herausforderungen für die HIV-Bekämpfung ist der gleichberechtigte Zugang zu HIV-Medikamenten und –Therapien. Viele Menschen haben bis heute keinen Zugang zu präventiven oder kurativen Massnahmen gegen HIV/Aids und konnten damit ihr Recht auf Gesundheit nicht verwirklichen. Im Jahr 2011 hatte etwas mehr als die Hälfte der HIV-Betroffenen Zugang zu antiretroviraler Therapie (ART), der bislang erfolgreichsten medikamentösen Behandlungsstrategie - dies obwohl die UNO-Mitgliedstaaten sich 2006 das Ziel gesetzt hatten, universellen Zugang (definiert als 80-prozentige Abdeckung der betroffenen Bevölkerung) bis 2010 zu gewährleisten. Dieses Ziel ist auch Teil des Millennium Development Goals Nr. 6, das verlangt, die Verbreitung von HIV/Aids bis 2015 zu stoppen und rückläufig zu machen.

Fortschritte

Der aktuelle Bericht von UNAIDS und WHO vom November 2012 (World Aids Report 2012) stellt fest, dass seit 2006 erhebliche Fortschritte gemacht wurden. Der Zugang zu Behandlung nimmt stetig zu, im Jahr 2011 um fast zwei Drittel gegenüber 2009. Weltweit stehen 8 Millionen HIV-Betroffene mit Zugang zu den nötigen Medikamenten rund 7 Millionen Betroffenen ohne Behandlung gegenüber, darunter leider viele Kinder. In Ländern mit geringem Pro-Kopf-Einkommen (Klassifizierung der Weltbank: low- and middle-income countries) haben 54 Prozent der HIV-Betroffenen Zugang zu antiretroviraler Therapie. Unterdessen haben 10 dieser Staaten das Ziel des universellen Zugangs erreicht.

In den letzten Jahren haben sinkende Preise dafür gesorgt, dass die Medikamente für eine ART in Ländern mit geringem Pro-Kopf-Einkommen vermehrt zugänglich wurden. Den Rückgang der Medikamentenpreise führen die Fachleute unter anderem auf vergrösserte Behandlungsprogramme, die Vorhersehbarkeit der Nachfrage, den zunehmenden Wettbewerb auf dem entsprechenden Medikamentenmarkt, vor allem wegen Generika und auf neue Preisstrategien einiger pharmazeutischer Unternehmen zurück.

Hindernisse

Trotz dieser ermutigenden Befunde konnte das Teil-Millenniumsziel des universellen Zugangs zu Prävention, Behandlung und Pflege bis heute nicht erreicht werden. Vor allem in Sachen Medikamentenpreise bleibt gemäss verschiedener NGOs viel zu tun: Internationale Übereinkommen zum Schutz geistigen Eigentums (Agreements on trade related aspects of intellectual property rights - TRIPs) bewirken, dass neu entwickelte, bessere Medikamente gegen HIV/Aids nur in Ländern verfügbar sind, die genügend Ressourcen haben, um die hohen (Forschungs-)Kosten zu decken. Ärmere Länder werden so gezwungen abzuwarten, bis die Patente der Pharmafirmen auf den neuen Medikamenten auslaufen oder die patentrechtlichen Preise gesenkt werden.

Immerhin konnten die Pharmaunternehmen durch den Preisdruck von Generika, die in Ländern wie Indien und Brasilien hergestellt werden, zu neuen Preisstrategien bewegt werden. Daraus entstanden Initiativen wie das «Tiered Pricing» (abgestufte Preisfestsetzung) und der Global Price Report Mechanism, sowie neue Arten der Lizenzvergabe für patentierte Produkte und die Idee eines «Patent Pools», um die Auswirkungen von TRIPs auf den Kampf gegen HIV/Aids abzuschwächen.

Als aktuellste Herausforderung sehen UNAIDS und die WHO darin, dass viele der stark betroffenen Länder weiterhin zu einem beträchtlichen Teil von Geldern aus dem Ausland abhängig sind.

Treatment 2.0

Im Grossen und Ganzen befinden UNAIDS und WHO in ihrem Bericht allerdings, dass sich die Investitionen in eine globale HIV/Aids-Bekämpfung auszahlen und dass rückläufige Infektionsraten sich sozial und ökonomisch positiv auswirken. Um diese positiven Trends fortzusetzen und auch die MDGs mit Bezug auf Gesundheit zu erreichen, setzen die UNO-Organisationen vor allem auf den menschenrechtsbasierten Ansatz. UNAIDS präsentierte zudem im Juli 2010 einen umfassenden Ansatz zur HIV-Behandlung, der die Zahl der AIDS-Toten bis 2025 um zehn Millionen vermindern soll. Ihr Strategiepapier «Treatment 2.0» betont die Rolle, die ein besserer Zugang zu Behandlung und Medikamenten bei der Bekämpfung von HIV/Aids spielt.

Quellen

Update: 07.05.2013

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