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Recht auf Wasser steht national und international im Fokus

Das Wasser steht derzeit im Zentrum der Aufmerksamkeit – auf nationaler wie auf internationaler Ebene. Rund um den Weltwassertag am 22. März 2012 haben sich zahlreiche Konferenzen und Studien mit dem Thema beschäftigt und auch die Schweiz beteiligt sich aktiv an den Diskussionen. Es geht um Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen, aber auch um den Wasserbedarf in der Landwirtschaft (der heute etwa 70 Prozent des gesamten Wasserbedarfs ausmacht) oder etwa die Wassernutzung im Bereich Energieerzeugung. Ein breiter Fächer von Aspekten, der sich unter der Überschrift Recht auf Wasser auftut.

Das Weltwasserforum

Mitte März fanden im französischen Marseille zwei Konferenzen zum Thema Wasser statt: das von Wasser- und Energieunternehmen organisierte  «Weltwasserforum» und das von der Zivilgesellschaft getragene «Alternative Weltwasserforum». Es handelte sich um die 6. Austragung dieses seit 1997 alle drei Jahre stattfindenden Treffens von Wissenschaftlern/-innen, Politikern/-innen und Experten/-innen aus aller Welt.

Schweizer Engagement

Die Schweiz nahm bei den Gesprächen eine führende Rolle ein: Martin Dahinden von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) leitete etwa gemeinsam mit Spanien und Uruguay die Diskussionsrunde für Minister zur Umsetzung des Menschenrechts auf Wasser und Siedlungshygiene. Ausserdem koordinierte das DEZA die Arbeitsgruppe zum Thema Zugang zu Wasser. Mittels einer Internetseite waren dafür vorgängig Ideen für praktische Lösungen gesucht worden.

Gemischtes Fazit

Die am Forum verabschiedete Deklaration taugt nach Einschätzungen von Umweltorganisationen jedoch wenig: Die offizielle Ministerdeklaration des Weltwasserforums 2012 habe nicht die Kraft, um den lokalen und regionalen Erfolgsmodellen einen ausreichenden globalen Rahmen zu geben, meint etwa Martin Geiger vom WWF. Um ein reines Kaffeekränzchen handelte es sich beim Weltwasserforum aber dennoch nicht: Immerhin bekräftigten die Teilnehmer das Menschenrecht auf Wasser, welches 2010 in einer Resolution der UNO-Generalversammlung offiziell anerkannt worden war.

Der Weltwasserbericht

Anlässlich des Weltwasserforums präsentierte zudem die UNESO ihren Weltwasserbericht, der vierte ist es mittlerweile. Auch wenn Teile der Millenniums-Entwicklungsziele bereits erreicht sind (so etwa die Halbierung bis 2015 der Zahl Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben), bleibt das Menschenrecht auf Wasser vielerorts ein Desiderat. Nach Zahlen von WHO und UNICEF aus dem Jahr 2010 haben noch immer rund 884 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. Insbesondere in vielen Entwicklungsländern ist das Problem gemäss Weltwasserbericht nach wie vor akut. Und Zugang zu sauberem Trinkwasser allein reicht nicht: Jeder zweite Mensch in Entwicklungsländer entbehrt heute selbst einer einfachsten sanitären Anlage. Weltweit fliessen 80 Prozent (in Entwicklungsländern bis zu 90 Prozent) des städtischen Abwassers unbehandelt in Flüsse, Seen oder ins Meer. Und die zunehmende Entnahme von Grundwasser führt zur Absenkung des Grundwasserspiegels, welche in gewissen Regionen bereits heute ein dramatisches Ausmass angenommen hat. Probleme, die nicht nur häufig ihren Ursprung in den Industrieländer haben, sondern, wie der UNESCO-Weltwasserbericht betont, dort auch ihre Folgen zeitigen: Der Mangel an sauberem Trinkwasser betrifft in Europa bereits 120 Millionen Menschen; jede/r fünfte Europäer/in wohnt in einer Gegend, die «Wasser-Stress» aufweist. Europa – also auch die Schweiz – importiert zudem eine grosse Menge an so genannt «virtuellem Wasser», d.h. Wasser, das in die Produktion von Verbrauchsgütern und Dienstleistungen geflossen ist

Schweizer/innen verbrauchen 30 Badewannen pro Tag

Wie viel Wasser die Schweiz real und virtuell verbraucht, ist erstmals in einem Bericht über den Wasserfussabdruck der Schweiz nachzulesen, welcher von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) zusammen mit dem WWF verfasst wurde. Die Zahlen sind eindrücklich: 162 Liter Wasser verbraucht eine Person in der Schweiz durchschnittlich pro Tag (für Trinken, Kochen und Reinigungsarbeiten im Haushalt). Wird jedoch das «virtuelle Wasser» mit eingerechnet, liegt der Wasserverbrauch pro Person und Tag bei knapp 4200 Litern. Das entspricht etwa 30 gefüllten Badewannen.  Problematisch wird der grosse Wasserverbrauch vor allem dann, wenn die Schweiz Produkte aus Gegenden importiert, die unter Wassermangel leiden (wie etwa Produktionsgebiete rund um den Ganges, Euphrat oder den Nil). Würde als Folge dieser Erkenntnis ein Boykott solcher Produkte gefordert, erschwerte dies der Bevölkerung dieser Regionen das Leben aber nur noch mehr, schreiben die Verfasser des Berichts. Wichtig seien deshalb vor allem der politische Dialog und die Hilfe bei der Suche nach innovativen Lösungen für eine nachhaltige Nutzung des Wassers vor Ort.

Schweizer Wasser-Netzwerk

Eine Vernetzungs-Plattform, mit deren Hilfe solches Wissen in Handeln umgesetzt werden soll, ist die im Februar 2012 gegründete Swiss Water Partnership. 45 Organisationen vom Bund, aus Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (unter anderem z.B. auch Nestlé) sowie Hilfswerke wollen dort ihre unterschiedlichen Kenntnisse austauschen und diese innovativen Ideen «für die Linderung der weltweiten Wasserprobleme» einsetzen. Am Weltwasserforum in Marseille hatte der neu gegründete Zusammenschluss seinen ersten offiziellen Auftritt.

Insbesondere die Hilfswerke vermissen beim Engagement der Schweiz bisher so genannte «Public-Public-Partnerships», d.h. zum Beispiel die Zusammenarbeit zwischen Städten in der Schweiz mit solchen im Süden. Zu sehr werde auf «Public-Private-Partnerships», also auf die Zusammenarbeit mit Konzernen und Firmen, fokussiert, wie etwa der Wasseraktivist Franklin Frederick von den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn zitiert wird.

Weiterführende Informationen

Update: 27.03.2012

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