Caritas-Forum 2022: Wenn Armut weiblich ist

Sozialpolititsche Tagung der Caritas Schweiz


28. Januar 2022, 09:30–15:45 Uhr
Eventforum, Fabrikstrasse 12, Bern

Frauen sind in der Schweiz stärker von Armut betroffen und einem höheren Armutsrisiko ausgesetzt als Männer. Am Forum 2022, der sozialpolitischen Tagung von Caritas Schweiz, diskutieren namhafte Expert*innen die Ursachen der Frauenarmut und wie das geschlechtsspezifische Armutsrisiko reduziert werden kann. Die Ungleichheiten manifestieren sich bereits im System der sozialen Sicherheit, die sich noch immer am traditionellen Familienmodell orientiert: Andrea Gisler, Rechtsanwältin und unter anderem auf das Familienrecht spezialisiert, legt dar, wie im sozialen Sicherungssystem der Schweiz Frauenarmut reproduziert statt bekämpft wird. Ähnliche Mechanismen spielen auf dem Arbeitsmarkt: Morgane Kuehni, Professorin für Arbeitssoziologie an der Hochschule für Sozialarbeit und Gesundheit in Lausanne (HES-SO), erläutert, weshalb vor allem Frauen unterbeschäftigt, unterbezahlt und überbeansprucht sind.

Aber warum sind ausgerechnet in systemrelevanten Berufen die Löhne tief? Diesen Fokus wird Mathias Binswanger einnehmen, der Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Die Corona-Krise hat zwar die Sensibilität dafür erhöht, aber Applaus alleine reicht bekanntlich nicht aus, um die Situation für die Betroffenen zu verbessern. Der Handlungsbedarf ist dringend: Krisen verschärfen nicht nur Ungleichheiten, sondern verfestigen auch traditionelle Geschlechterrollen. Diese Zusammenhänge waren bereits in der Finanzkrise von 2008 evident. Der emeritierte Soziologieprofessor Ueli Mäder zieht Parallelen zu den Folgen der Corona-Pandemie und fragt: Warum gehen Krisen mit einer Retraditionalisierung der Geschlechterrollen einher? Welche langfristigen Folgen hat dies für das spezifische Armutsrisiko von Frauen?

Am Nachmittag berichtet Lelia Hunziker, die Geschäftsführerin der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ), mit welchen existenziellen Problemen Frauen zu kämpfen haben, die durch die sozialen Sicherungsmaschen fallen. Was das mit den traditionellen Rollenbildern zu tun hat, die noch immer fest in den Köpfen verankert sind und durch die Logik des Arbeitsmarktes und des Sozialversicherungssystems aufrechterhalten werden, wird im Referat von Markus Theunert klar. Er ist Gesamtleiter des Dachverbandes der Schweizer Männer- und Väterorganisationen (männer.ch).

Anschliessend vertieft die Soziologin und Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach das Phänomen der Zeitarmut, welches die armutsbetroffenen Frauen mit den Frauen in privilegierten Positionen verbindet. Diesen stehen zwar alle Karrierepfade offen, aber oft zum Preis totaler Erschöpfung, gerade wenn sie Kinder haben oder alleinerziehend sind.

Anmeldung bis 21. Januar 2022

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