Rechtlos im Rechtsstaat

Tagung


24. Juni 2022
Universität Freiburg, Avenue de l’Europe 20, Raum MIS 3115

Im September 2019 publizierte die Unabhängige Expertenkommission Administrative Versorgungen (UEK) ihren Schlussbericht. Im Zentrum des Berichts stehen Anstaltsversorgungen von Erwachsenen im Zeitraum vor 1981. Administrative Versorgungen und andere fürsorgerische Zwangsmassnahmen stellen aus heutiger – und zumindest teilweise auch aus zeitgenössischer – Perspektive Eingriffe in die elementaren Grundrechte der Betroffenen dar. Die Untersuchungen der UEK zeigen, dass auch in einem demokratischen Rechtsstaat bestimmten Menschen grundlegende Rechte vorenthalten werden konnten. Rechtlosigkeit und Rechtsstaat schliessen sich offensichtlich nicht aus.

Die Forschungsergebnisse der UEK sind, abgesehen von der Tagesberichtserstattung und einigen Rezensionen in wissenschaftlichen Zeitschriften, bislang kaum rezipiert worden. Die Empfehlungen der UEK beziehen sich primär auf die Rehabilitation der ehemaligen Betroffenen. Eine breitere öffentliche Diskussion der Forschungsergebnisse und die kritische Reflexion ihrer Bedeutung für Demokratie und Rechtsstaat blieben bislang aus. Dabei bestehen zahlreiche offensichtliche Aktualitätsbezüge, etwa zur ausländerrechtlichen Administrativhaft, zur Sozialhilfe, zum Erwachsenenschutzrecht oder zum Strafvollzug, um nur einige Bereiche anzusprechen. Die Frage stellt sich auch, inwiefern die Erfahrungen der aktuellen COVID-19-Pandemie dem Zwangsaspekt eine neue Dimension geben.

Die Tagung soll einen Rahmen bieten, um neue Forschungsergebnisse zu fürsorgerischen Zwangsmassnahmen im Hinblick auf ihre Bedeutung für die Gegenwart und Zukunft aus interdisziplinärer Perspektive zu würdigen und kritisch zu diskutieren.

Zielpublikum: Wissenschaft, relevante Praxisbereiche, Medienschaffende, interessierte Öffentlichkeit

Sprachen: Deutsch und Französisch (ohne Übersetzung)

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