Was kann der menschenrechtliche Universalismus vom kulturellen Relativismus lernen?

Im vorliegenden philosophischen Diskussionsbeitrag wird die gewöhnliche Infragestellung des menschenrechtlichen Universalismus durch kulturrelativistische Argumentationen neu gedeutet. Der Relativismus tritt als hilfreicher Gegenpart des Universalismus auf. Die zentrale These lautet: Der wohl verstandene Relativismus bietet gedankliche Krücken, welche dem Universalismus helfen, seine selbst verschuldeten Schwierigkeiten zu überwinden.

Selbst verschuldet ist in erster Linie der Hang des menschenrechtlichen Universalismus, sich selbst zu verabsolutieren, was zu einem arroganten missionarischen Verhalten gegenüber anderen Positionen führt. Dagegen hilft nur eine methodische Selbstrelativierung.

Allerdings ist eine Selbstrelativierung nicht ausreichend, um die ethischen Dilemmafragen anzugehen, die sich im Prozess der Universalisierung der Menschenrechte stellen. Auch bei dieser Schwierigkeit hilft der Rückgriff auf eine bestimmte gemässigte Variante der kulturrelativistischen Argumentation, die sich vom vorherrschenden Verständnis des Kulturrelativismus deutlich abhebt.

Die Überlegungen münden in die Erkenntnis, dass die vorgestellten Varianten des «selbstkritischen Universalismus» und des «gemässigten Kulturrelativismus» nicht nur miteinander verträglich, sondern notwendig aufeinander angewiesen sind als zwei Seiten derselben diskursiven Haltung. Diese erlaubt es, die Universalisierung der Menschenrechte in einer kultursensitiven Weise zu betreiben, ohne vor menschenrechtswidrigen soziokulturellen Gegebenheiten zu kapitulieren.