Update: 14.01.2014

Der Schutz vor Geschlechterstereotypen und Sexismus ist ungenügend

«Kein Raum für Sexismus» lautet das Thema der aktuellsten Ausgabe der Fachzeitschrift Frauenfragen, welche die Eidg. Kommission für Frauenfragen (EKF) alljährlich herausgibt. Sie zeigt auf, was Sexismus mit Rollenstereotypen und den Machtverhältnissen zwischen Frauen und Männern zu tun hat. Beleuchtet wird sowohl die Auswirkung von Stadtplanung auf die Geschlechterbilder als auch der Zusammenhang zwischen zunehmender gesellschaftlicher Sexualisierung und Sexismus. Geklärt wird zudem, wie es mit dem Schutz vor Sexismus aussieht. Nicht zuletzt zeigt sich in Interviews und Porträts, was Engagement gegen Sexismus alles beinhalten kann.

Stereotypisierte Geschlechterbilder halten sich hartnäckig

Die vorliegende Ausgabe der Fachzeitschrift Frauenfragen leistet einen Beitrag zur Sensibilisierung in einem Bereich, in dem von der Schweiz Schutzmassnahmen gefordert werden. Der Begriff Sexismus umschreibt jede Form von Gewalt, Ausbeutung und Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Der Begriff beinhaltet zusätzlich alle Identitäts- und Verhaltensanforderungen an eine Person oder an eine Gruppe von Personen aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Identität. Sexismus hängt also zusammen Geschlechterstereotypen - mit Bildern, Eigenschaften und Rollen, die eine Gesellschaft gemeinhin einer Frau oder einem Mann zuspricht.

Leider sind in der Schweiz Geschlechterstereotype weitverbreitet. Dies ist besorgniserregend, weil Stereotype den Sozialstatus von Frauen untergraben und dazu beitragen, dass sie unter anderem im Bildungswesen, auf dem Arbeitsmarkt oder im politischen Leben benachteiligt sind. Das UNO-Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau verpflichtet deshalb den Bund Massnahmen zu ergreifen, die zur Sensibilisierung für diese gesellschaftlichen Zusammenhänge und schliesslich zur Überwindung der damit verbundenen Machtstrukturen beitragen (CEDAW Art. 2 Abs. f und Art. 5 Abs. a).

Der UNO-Ausschuss gegen Frauendiskriminierung (CEDAW) gab sich 2009 besorgt, dass tief verwurzelter Stereotype hinsichtlich der Rolle und der Aufgaben von Frau und Mann in Familie und Gesellschaft in der Schweiz fortbestehen. Er hatte die Schweiz bereits früher aufgefordert, gegen diese Rollenstereotype Massnahmen zu ergreifen. Zwar erfolgten daraufhin Schritte wie die Fairplay-Kampagnen, die Verabschiedung von Gleichstellungsgesetzen in mehreren Kantonen oder die Überarbeitung der Lehrpläne. Dennoch bestehen die stereotypisierten Rollenbilder weiterhin.

Medien- und Werbebranche nehmen negativ Einfluss

Der Ausschuss erinnerte deshalb die Schweiz vor fünf Jahren erneut an ihre Verpflichtung, diese stereotypen Bilder und Einstellungen hinsichtlich der Rolle der Frau und des Mannes in Familie und Gesellschaft zu beseitigen. Er ortete eine besondere Verantwortung für das Weiterbestehen von Geschlechterstereotypen bei Medien und Werbung. In den Schlussempfehlungen forderte der Ausschuss von der Schweiz «gesetzliche, politische und bewusstseinsbildende Massnahmen», die sich «generell an Frauen und Männer richten».  Die Massnahmen sollten zudem auf «Medien und Programme im Bildungswesen abzielen», damit «eine weitere Diversifizierung der Bildungsoptionen von Buben und Mädchen und ein partnerschaftliches Familienmodell propagiert» wird. Der Ausschuss empfahl darüber hinaus gezielte Massnahmen im «Medienbereich und im Bildungswesen, die eine positive Darstellung von Frauen aus ethnischen Gemeinschaften und aus Minderheiten sowie von Migratinnen fördern».

Dem Thema Sexismus nahmen sich in den vergangenen Monaten verschiedene Institutionen an. Für die Sensibilisierung in diesem Bereich setzt sich in der Schweiz insbesondere die Organisation Terre des Femmes mit vielfältigen Kampagnen, Veranstaltungen, Informationen, Beschwerden und verdankenswerten Stellungnahmen ein.

Weiterführende Informationen

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