Update: 24.11.2009

«Wirtschaft und Menschenrechte»: ein sehr brauchbarer Überblick

Die beiden Hilfswerke «Brot für alle» und «Fastenopfer» haben im November 2009 die Broschüre «Wirtschaft und Menschenrechte» veröffentlicht. Die Broschüre der Schriftenreihe «EinBlicke» enthält Beiträge zu den UNO-Normen für transnationale Unternehmen (TNC), zur schweizerischen Politik im Hinblick auf die Verantwortlichkeit von TNC und schliesslich vier Fallbeispiele zu menschenrechtswidrigem Verhalten von TNC mit entsprechenden Forderungen an die Politik.

Gute Übersicht

Die Chronologie zu Entstehung und Status der «UN-Normen für die Verantwortlichkeiten transnationaler Unternehmen und anderer Wirtschaftsunternehmen» von Daniel Hostettler überzeugt durch eine gut lesbare übersichtliche Darstellung einer komplizierten Entwicklung im Rahmen zuerst der alten UNO-Menschenrechtskommission, dann des Sonderberichterstatters für Menschenrechte und Wirtschaft. Was gewöhnlich bei all den produzierten Papieren nur noch für Fachpersonen Sinn macht, nimmt hier Gestalt an als ein Gesamtprozess, der seine Eigenlogik und Zweckmässigkeit hat, von dem aber immer noch nicht klar ist, ob er zu brauchbaren Resultaten führen wird.

Widersprüchliche Schweizer Politik

Der Artikel zur Schweizer Politik von Chantal Peyer befasst sich mit der Kluft zwischen dem aussenpolitischen Engagement der Schweiz für verbindlichere Menschenrechtsnormen für TNC und der weitgehenden Passivität der Schweiz im Bereich der Regulierung von schweizerischen TNC oder auch fehlender Leitplanken im Aussenhandel. Die widersprüchlichen Facetten der schweizerischen Politik werden sehr gut auf den Punkt gebracht. Letzlich gibt sich die Realpolitik mit dem kleinsten gemeinsamen Nenner zufrieden, lautet ein Fazit.

Präzise Forderungen

Die anschliessenden Fallbeispiele (Ölförderung in Nigeria, Landkonflikt wegen Kohlenabbau in Kolumbien, Nestlé-Wasser in Brasilien, Arbeitsbedingungen in der IT-Industrie) zeigen anschaulich die Vielfalt der Probleme in der Praxis auf. Gelungen ist der Kunstgriff, jedes der Beispiele mit konkreten Forderungen an die Politik, insbesondere an die Schweizer Regierung zu verknüpfen. So weicht das Gefühl der Ohnmacht angesichts der massiven globalisierten Problematiken der kühlen Einschätzung, dass mittels gezielter Massnahmen konkrete Verbesserungen zu bewirken sind und dass auch ein kleines Land wie die Schweiz durchaus zu weltweiten Veränderungen beitragen könnte, wenn sie nur wollte.

Zu empfehlen

Die Broschüre «Wirtschaft und Menschenrechte» ist informativ, gut lesbar und politisch relevant. Sie verdient eine breite Rezeption, insbesondere in den wirtschaftspolitisch engagierten und verantwortlichen Kreisen der Gesellschaft.

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