Schweizer Zivilgesellschaft kritisiert die Umsetzung der UNO-Frauenrechtskonvention

Die NGO-Koordination post Beijing Schweiz hat ihren Schattenbericht an den UNO-Frauenrechtsausschuss veröffentlicht. Der NGO-Bericht legt seinen Fokus auf Diskriminierung von Frauen* in allen Lebensbereichen, Geschlechterstereotype und geschlechtsbasierte Gewalt. Allgemein hat die Gleichstellung der Geschlechter aufgrund der Corona-Krise hat einen Rückschlag erlitten.

Die Schweiz verpflichtete sich 1997 mit der Annahme der UNO-Frauenrechtskonvention CEDAW, Diskriminierung gegenüber Frauen in allen Lebensbereichen abzubauen sowie die rechtliche und tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter voranzubringen. In einem Vierjahreszyklus müssen die Vertragsstaaten vor dem CEDAW-Ausschuss der UNO über den Stand der Umsetzung der Konvention im eigenen Land, inklusive die Umsetzung der vom Ausschuss erhaltenen Empfehlungen berichten. Die Schweiz reichte Ende November 2020 ihren 6. Staatenbericht ein. Die NGO-Koordination post Beijing Schweiz hat nun als Dachorganisation unter Mitarbeit der 35 Mitglieder und weiteren Expert*innen einen zivilgesellschaftlichen Schattenbericht veröffentlicht. Er ist eine Ergänzung und Kritik des Staatenberichts.

Gewalt und Diskriminierung gegenüber Frauen halten sich in der Schweiz hartnäckig, sei es am Arbeitsplatz, in der Familie, in den Medien, im Asylzentrum oder im Bildungsbereich. Manche zivilgesellschaftlichen Forderungen liegen seit Jahrzehnten auf dem Tisch, wie etwa jene nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit, angemessener Vertretung in Politik und Wirtschaft oder einer gerechteren Verteilung, Bezahlung und Anerkennung von Care-Arbeit. Andere beziehen sich auf subtile gesellschaftliche Mechanismen, welche Geschlechterstereotype produzieren und damit (nicht nur) Frauen auf bestimmte Plätze in der Gesellschaft verweisen oder ihnen diese verwehren, ihnen Rollen zuschreiben oder von ihnen erwarten, wie sie sprechen, handeln und aussehen sollen.

Schliesslich beschäftigt sich der NGO-Bericht mit einem Bereich, der besonders erschütternd ist und in den letzten Jahren immer mehr Facetten zutage gefördert hat: geschlechtsbasierte Gewalt. Diese reicht von sexueller Belästigung in fast allen Lebensbereichen über häusliche Gewalt und Netzgewalt bis hin zu Vergewaltigung, sexueller Ausbeutung und Femizid. Jeden Monat werden in der Schweiz gemäss verfügbaren Statistiken zwei Frauen getötet, meist im familiären Umfeld.

Die Gleichstellung der Geschlechter hat aufgrund der Corona-Krise in sehr vielen Bereichen einen Rückschlag erlitten, und Diskriminierung und Gewalt haben sich verschärft. Die UNO-Frauenrechtskonvention ist und bleibt auch in der Schweiz ein wichtiges Instrument, um dagegen vorzugehen – Frauenrechte sind Menschenrechte!

Mehr Informationen zum aktuellen Staatenberichtsverfahren finden Sie hier.

* Mit dem Begriff «Frauen» beziehen wir uns auf Personen, die sich ganz oder teilweise weiblich identifizieren, als Mädchen/Frauen gelesen und/oder als Frauen sozialisiert wurden. Mit dieser Definition schliessen wir explizit Transpersonen sowie inter- und cisgeschlechtliche Frauen ein und nehmen dabei eine intersektionale Perspektive ein.