12.11.2007
Kinder vor Gewalt in Medien schützen
Am 19. November 2007 wird der Internationale Tag zur Verhütung von Kindsmissbrauch begangen. Aus diesem Anlass macht eine Koalition um die Women's World Summit Foundation (WWSF) aufmerksam auf einen Aspekt des Themas Gewalt und Kinder, der nicht nur Eltern und Kinder angeht. Die Koalition will die Gesellschaft für Gewaltdarstellungen in Massenmedien und deren negative Auswirkungen für das kindliche Wohlbefinden sensibilisieren. Dazu gibt es darüber hinaus eine Studie der UNO, eine Kampagne von Pro Juventute und Vorstösse auf Parlamentsebene.
Appell an die Medien
«Die Massenmedien machen heutzutage ohne Zweifel einen wichtigen Aspekt im Kinderalltag aus. Sie sind eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen vieler Kinder. In den vergangenen 25 Jahren hat die Gewalt im Fernsehen, in Videospielen und andern Vergnügungen stark zugenommen. Nach jahrzehntelangen Debatten besteht heute ein Konsens darüber, dass Gewaltdarstellungen in den Massenmedien ein Risikofaktor in Bezug auf gewalttätiges Verhalten und die Entstehung von Ängsten und Angstzuständen bei Kindern sind.» Dies schreibt die Organisation WWSF auf ihrer Homepage und tritt dafür ein, dass Kinder den Gewaltdarstellungen in Medien weniger ausgesetzt sind. Mit diesem Ziel vor Augen ruft WWSF etwa die Verantwortlichen bei den Massenmedien dazu auf, auf stereotype und sensationslüsterne Darstellungen allgemein zu verzichten und keine sexualisierenden Bilder von Kindern mehr zu veröffentlichen.
Empfehlungen einer UNO-Studie
Im Oktober 2006 ist im übrigen eine Studie zu diesem Thema vorgestellt worden, welche im Auftrag des UNO-Generalsekretärs erstellt wurde. Verfasst hat sie ein unabhängiger Experte. Sein zentraler Befund: Keine Gewalt gegenüber Kinder ist gerechtfertigt, jegliche Gewalt gegenüber Kinder kann mittels Präventionsmassnahmen verhindert werden. Der Verfasser der Studie fordert, dass sich die gesamte Gesellschaft für den Schutz der Kinder vor Gewalt engagiert. Die Studie beinhaltet Einzelfälle, Beispiele für gute Praktiken sowie mehrere Dokumente, die sich an die Kinder selber richten. Die Koalition um WWSF will diesen Empfehlungen zum Durchbruch verhelfen.
Petition von Pro Juventute
Auch Pro Juventute Schweiz hat im Oktober 2007 eine Kampagne mit Petition gestartet, welche zum Ziel hat dem unbeschränkten und unkontrollierten Zugang zu Gewaltdarstellungen für Kinder den Riegel zu schieben. Zu diesem Zweck hat die Organisation einige interessante Fakten und hilfreiche Tipps gesammelt, welche auf der Website zugänglich sind.
Auf Bundesebene hat derweil Chantal Galladé (SP, ZH) einen Vorstoss eingereicht, welcher Massnahmen für den Kinder- und Jugendschutz fordert. Der Bundesrat hat sich Ende November 2007 zur Annahme des Postulates bereit erklärt und will nun einen Bericht ausarbeiten.
Zum Welttag
- Welttag zur Verhinderung von Kindsmissbrauch
Website der Women's World Summit Foundation (WWSF) in englisch - Website zur Studie der Vereinten Nationen zu Gewalt gegenüber Kindern (englisch)
Hinweise auf die Studie und zum Followup - Informationen zu Gewalt im Internet
Auf der Website von stopit.ch
Informationen zur Kampagne von Pro Juventute
- Virtuelle Gewalt kontrollieren
Medienmitteilung und Link zur Petition von pro juventute Schweiz, 2. Oktober 2007
Vorstösse auf Bundesebene
- Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Gewalt in Unterhaltungsmedien
Postulat von Chantal Galladé (SP, ZH), Dokumentation auf der Website der Parlamentsdienste
Weiterführende Informationen
- Gewalt nicht primär Problem von ausländischen Jugendlichen
Artikel auf humanrights.ch vom Februar 2007