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Rassismusbericht 2025: Stabilisierung der Fallzahlen auf hohem Niveau 

27.04.2026

Ein Mann beschimpft eine Frau im Zug äusserst rassistisch und vulgär und greift sie schliesslich körperlich an. Einer jungen Frau wird ein Tag vor Arbeitsbeginn eine Praktikumsstelle abgesagt, weil sie ein Kopftuch trägt. Eine Lehrperson schreit einen Schüler mit rassistischen Bemerkungen an. Eine junge Frau erhält aufgrund ihres Nachnamens kein WG-Zimmer und wird per E-Mail beschimpft. Auch im Jahr 2025 suchten zahlreiche von Rassismus betroffene Personen die Beratungsstellen auf und schilderten Vorfälle aus unterschiedlichsten Lebensbereichen. 

Im Jahr 2025 haben die am Beratungsnetz für Rassismusopfer angeschlossenen Beratungsstellen insgesamt 1’245 Betroffene von rassistischer Diskriminierung beraten und begleitet. Dies entspricht einer Zunahme um 34 Fälle beziehungsweise 3 % gegenüber dem Vorjahr.

Die Zahl der Beratungsfälle hat sich im Berichtsjahr 2025 nach dem markanten Anstieg von rund 40 % im Jahr 2024 auf hohem Niveau stabilisiert. Diese Entwicklung bedeutete sowohl für die Koordination des Beratungsnetzes als auch für die Mitarbeitenden der kantonalen Beratungsstellen eine spürbare Entlastung. Der hohe Anstieg der Fallzahlen im Jahr 2024 stellte viele Mitarbeitende vor erhebliche Herausforderungen. Ein weiterer Anstieg in vergleichbarer Grössenordnung hätte die Belastungsgrenzen in zahlreichen Stellen erreicht oder überschritten. Obwohl sich die Fallzahlen inzwischen auf hohem Niveau eingependelt haben, bleiben die personellen und finanziellen Ressourcen der Beratungsstellen weiterhin sehr angespannt. Seit dem starken Anstieg im Jahr 2024 ist es in den meisten Fällen zu keiner entsprechenden Aufstockung der Ressourcen gekommen.

Im Jahr 2025 wurden mit 22 % der gemeldeten Beratungsfälle erneut die meisten Fälle im Bildungsbereich verzeichnet. An zweiter Stelle folgt der Lebensbereich Arbeitsplatz mit 17 %, der gegenüber dem Vorjahr mit einem Anstieg um 3 Prozentpunkte die deutlichste Zunahme aufweist. Die am häufigsten genannten Diskriminierungsmotive bleiben Anti-Schwarzer Rassismus (33 %) sowie Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit (30 %). Es folgt antimuslimischer Rassismus mit 23 %, der gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozentpunkte zugenommen hat. Weitere genannte Motive sind Rassismus gegenüber Menschen aus dem arabischen Raum (9 %), Rassismus gegenüber Menschen aus dem asiatischen Raum (8 %) sowie Antisemitismus (5 %).

Der Themenschwerpunkt des Berichts 2025 liegt auf rassistischen Vorfällen in der Berufslehre. Für den externen Beitrag konnte Hilmi Gashi, Nationaler Leiter Interessengruppen bei der Gewerkschaft Unia gewonnen werden. Die Unia hat eine Studie zu Rassismus in der Berufslehre durchgeführt und dazu eine Broschüre veröffentlicht. 

Die Studie untersuchte Rassismus und Diskriminierung in der beruflichen Ausbildung in der Schweiz auf der Basis einer Umfrage unter über 1.100 Lernenden. Die Umfrage wurde unter Einbezug von Lernenden sowie kürzlich ausgelernten Arbeitnehmenden entwickelt und beleuchtet die Qualität der Berufsbildung aus deren Perspektive. Kritisch hinterfragt wird die vorherrschende institutionelle Sichtweise, die die Berufsbildung oft auf ökonomische Aspekte reduziert. Ziel der Studie war es, den zentralen Akteur*innen in der Berufsbildung – den Lernenden – eine stärkere Stimme zu geben.

Gemäss der Umfrage berichteten 35 Prozent der Auszubildenden, während ihrer Ausbildung Rassismus erlebt zu haben, 12 Prozent sogar häufig. Damit liegt die Belastung deutlich über dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung (17 Prozent). Die Studie verortet die Gründe dafür in der speziell vulnerablen Position von Auszubildenden, in deren eingeschränkten Möglichkeiten, sich zu wehren, sowie einer gestiegene Sensibilität gegenüber Diskriminierung. 

Rassismus äusserte sich im Alltag der befragten Lernenden besonders häufig durch abwertende Bemerkungen, Ausgrenzung und Ungleichbehandlung. Die Studie machte deutlich, dass Rassismus für viele Betroffene mit erhöhtem Stress und Erschöpfung einhergeht und entsprechend gesundheitliche Folgen hat. Eine Diskriminierung geschieht oft nicht isoliert, sondern wird durch zusätzliche Faktoren verstärkt - wie z.B. durch das Geschlecht der betroffenen Person oder wenn die Diskriminierung durch psychische Gewalt begleitet wird.

In der Untersuchung wurde deutlich, dass Rassismus in der Ausbildung nicht nur als individuelles Fehlverhalten, sondern auch als strukturelles Problem sichtbar wird, etwa in Ausbildungsinhalten oder betrieblichen Praktiken. Gleichzeitig bestehen grosse Hürden bei der Meldung: Viele Lernende kennen weder ihre Rechte, die verfügbaren Unterstützungsangebote noch die Meldewege und sie erfahren immer wieder, dass Vorfälle verharmlost werden. 

Die Gewerkschaft Unia fordert wirkungsvollere Massnahmen zur Bekämpfung von Rassismus in der Arbeitswelt. Dazu gehören insbesondere bessere Aufklärung, mehr Sensibilisierung in Betrieben und Schulen, obligatorische Schulungen für Berufsbildende und Ausbildungsverantwortliche, verstärkte Kontrollen in Betrieben sowie ein verbesserter Zugang zu Rechtsschutz und Unterstützung für betroffene Lernende. 

Zusammenfassend verdeutlicht die Studie der Unia, dass Rassismus in der Ausbildung strukturelle Formen angenommen hat, die zur sozialen und psychischen Belastung beitragen und die endlich als ernsthaftes Problem wahrgenommen werden müssen. Die in der Studie beschriebenen Beispiele verdeutlichen die konkreten Folgen unzureichender Kenntnisse über Rassismus und unterstreichen die Notwendigkeit, zentrale Akteur*innen der Berufsbildung im Erkennen von und Umgang mit Diskriminierung und Rassismus zu schulen.

Der Bericht kann auf Deutsch, Französisch und Italienisch unter www.network-racism.ch heruntergeladen und bestellt werden bei: Beratungsnetz für Rassismusopfer, Tel. 031 302 01 61, beratungsnetz@humanrights.ch