21.09.2023
Bewohner*innen der Insel Pari gegen Holcim - Falldokumentation
Im Januar 2023 wurde beim Zuger Kantonsgericht eine Klage gegen den Schweizer Zementkonzern Holcim eingereicht. Die Klägerschaft besteht aus vier Bewohner*innen der Insel Pari, nordöstlich der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Inspiriert durch den RWE-Fall argumentieren sie, dass die durch den Klimawandel verursachten Überschwemmungen ihre Lebensgrundlage bedrohen. Sie fordern, dass Holcim für einen Teil der Schäden, welche durch die Folgen des Klimawandels auf der Insel entstanden sind, finanziell aufkommt. Der Fall ist eine Premiere: Erstmals muss sich in der Schweiz ein Konzern für seine Rolle beim Klimawandel verantworten.
Die unterschiedlichsten Veränderungen auf der Erde sind auf den Klimawandel zurückzuführen. Eine der Folgen ist der Anstieg des Meeresspiegels und das vermehrte Auftreten von Stürmen. Diese Kombination wird bereits heute für Bewohner*innen von tiefgelegenen Inseln problematisch, da vermehrt Überschwemmungen auftreten und heftige Schäden anrichten können. So auch auf der Insel Pari in Indonesien. Bereits heute hat die Insel durch den steigenden Meeresspiegel und das Erodieren der Küste 11% seiner Fläche verloren. Ausserdem wurde die Insel in den letzten Jahren bei Stürmen regelmässig überschwemmt, was negative Auswirkungen auf das Einkommen der Inselbewohner*innen hat. Es wurde zwangsläufig damit begonnen, sich mit baulichen Massnahmen gegen weitere Überschwemmungen zu schützen.
Massgeblich für den Klimawandel verantwortlich sind nicht Menschen wie die Bevölkerung der Insel Pari, sondern vor allem Akteure aus dem Globalen Norden, darunter Rohstoffkonzerne wie Holcim. Neben der Tatsache, dass die Zementbranche aktuell mehr CO2 emittiert als beispielsweise die Flugbranche, ist Holcim allein historisch gesehen für 0.42% der globalen CO2-Emissionen seit Beginn der Industrialisierung verantwortlich. Zum Vergleich: die Schweiz hat im selben Zeitraum weniger als halb so viele Treibhausgase emittiert. Ausserdem würden die Reduktionsziele des Konzerns bei weitem nicht ausreichen, um die im Pariser Klimaabkommen vereinbarte 1.5°C-Erwärmungsgrenze einzuhalten. Deshalb verlangen die Inselbewohner*innen von Holcim, Verantwortung zu übernehmen.
humanrights.ch greift den Fall auf, weil er strategisch richtig platziert ist und ein Urteil in der Schweiz internationale Strahlkraft haben wird. Ausserdem sind sowohl die Ursachen wie auch die Folgen des Klimawandels global verteilt, wodurch auch die Treibhausgasemissionen eines Schweizer Konzerns für die konkreten Auswirkungen auf der Insel Pari mitverantwortlich sind. Diesen Zusammenhang gilt es im Rahmen dieser Klage anzuerkennen und einen Präzedenzfall zu schaffen.