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Theo W. stirbt in der Psychiatrie – wie konnte es so weit kommen?

15.04.2024

Der 18-jährige Theo W. stirbt am 2. Januar 2021 im Universitätsspital Zürich an einem schweren Schädelhirntrauma. Er wird am 30.12.2020 bewusstlos in einem Isolationszimmer in der PDAG (Psychiatrischen Klinik Königsfelden im Kanton Aargau) aufgefunden und dann als Notfall per Hubschrauber eingeliefert. Wie konnte es soweit kommen? Seit 2021 unterstützt humanrights.ch die Eltern von Theo bei ihren Bemühungen, die Umstände des Todes ihres Sohnes aufzuklären.

Theo leidet am Asperger-Syndrom und seine Eltern suchen im Mai 2020 in der PDAG Klinik Hilfe. Er wird stationär aufgenommen. Seine Verhaltensauffälligkeiten haben sich durch die Situation während der Corona-Pandemie und Schulstress akzentuiert und die Eltern wissen nicht mehr, wie sie damit umgehen sollen. In der PDAG wird kaum auf Theos Asperger-Syndrom eingegangen. Theo entwickelt immer mehr und schlimmere Zwänge. Versuche, Theo nach Hause zu holen, scheitern. Schliesslich wird er am 18. November 2020 in die Erwachsenenabteilung verlegt. Dort ist Theo über 30 Tage in einem Isolationszimmer eingesperrt. Dies, obwohl die gesundheitsschädigenden Auswirkungen solch langer Isolation gut erforscht sind und obwohl in den Berichten der Kinder- und Jugendpsychiatrie klar festgehalten wurde, dass Theo viele Spaziergänge benötigt und einen hohen Bewegungsdrang hat. Das Pflegepersonal sieht tagelang zu, wie Theo sich selbst verletzt. Theo wird aber erst ins Spital eingeliefert, als er im Koma liegt. Zwei Tage später stirbt Theo an einem Schädelhirntrauma. Er ist gerade 18 Jahre alt geworden.

Die Eltern von Theo W. kontaktieren humanrights.ch anfangs 2021, weil sie die Umstände des Todes ihres Sohnes aufklären wollen. Gleichzeitig melden sie den Tod ihres Sohnes beim Departement für Gesundheit des Kantons Aargau. Dieses leitet ein Aufsichtsverfahren gegen die PDAG ein. Die Staatsanwaltschaft eröffnet Ermittlungen. Ende April 2024 wird das Untersuchungsverfahren voraussichtlich abgeschlossen. 

humanrights.ch hat Theos Leidensweg gemeinsam mit seinen Eltern aufgearbeitet und in einer Falldokumentation veröffentlicht. Mit Bezug darauf hat die NZZ am Sonntag am 14.4.2024 die Geschichte von Theo W. zum ersten Mal publiziert.

Unterstützen Sie uns bei der Begleitung von Rechtsverfahren wie jenes von Theo W. Mit Ihrer Spende tragen Sie dazu bei, auf die diversen Probleme im Umgang mit Menschen im Freiheitsentzug aufmerksam zu machen, die unter psychischen Beeinträchtigungen leiden.

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