11.03.2025

Argumentarium für ein ADG: Wozu braucht es ein Rahmengesetz zum Schutz vor Diskriminierung?

Der Blick auf den aktuell gültigen Rechtsschutz zeigt: Diskriminierung ist in weitaus mehr Ausprägungen rechtlich verboten als gemeinhin angenommen. Wer diskriminiert wird, hat oft Recht. In der Realität bringt das allerdings in den meisten Fällen keine Abhilfe. Wer im Fall einer Diskriminierung Recht hat, wird mit grosser oder an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht Recht bekommen. Umgekehrt gilt: Wer diskriminiert, verstösst oft gegen das geltende Recht, die Wahrscheinlichkeit jedoch, rechtlich Konsequenzen tragen zu müssen, liegt praktisch bei null. Die Ausführungen in diesem Abschnitt zeigen, dass die Hindernisse auf dem Rechtsweg zahlreich und hoch sind.

Das Problem der fehlenden Abschreckung und schwachen Mobilisierung des Rechts gilt besonders für Diskriminierungen aufgrund der sozialen Stellung, von Armut, der ethnischen Herkunft, einer rassistischen oder antisemitischen Zuschreibung (s. z.B. die juristische Untersuchung zu «Anti-Schwarze-Rassismus»), der Religionsangehörigkeit, der Weltanschauung oder politischen Überzeugung, der Sprache, des Lebensalters, der sexuellen Orientierung, des Körpergewichts, einer chronischen Krankheit und der fahrenden Lebensform. Bis zu einem bestimmten Grad Ausnahmen bilden Diskriminierungen aufgrund des Frauseins (Analysen und Evaluationen zum Gleichstellungsgesetz) und einer Behinderung (Evaluation vom Behindertengleichstellungsgesetz). Dafür gibt es spezialisierte Gesetze, die Massnahmen zur Um- und Durchsetzung des Rechts auf Nichtdiskriminierung enthalten (Übersicht zur Rechtslage in der Schweiz).  

Diese rechtlich unbefriedigende Situation mag für juristisch ungeschulte Menschen zunächst widersprüchlich erscheinen. Rechtssoziologische Forschung und Erfahrungsberichte aus der Antidiskriminierungspraxis aber zeigen auf, warum das geltende Recht nicht oder nur ungenügend funktioniert (Evaluationen zum Gleichstellungsgesetz, Behindertengleichstellungsgesetz und Deutschen Gleichbehandlungsgesetz). Worin genau liegen die aktuellen Probleme? Und wie können diese durch ein gutes Rahmengesetz gemindert werden?


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Antidiskriminierungsgesetz - Argumentarium