Tuberkulosefälle in Schweizer Asylunterkünften

Immer mehr Flüchtlinge und Asylsuchende in der Schweiz leiden an der gefährlichen und hochansteckenden Krankheit Tuberkulose. Die Organisation «augenauf» zieht eine besorgniserregende Bilanz: Im letzten Jahr haben sich mindestens 25 Personen - hauptsächlich Asylsuchende und Mitarbeiter in Asyl- und Durchgangszentren - infiziert, mindestens zwei Todesfälle sind bestätigt. «Augenauf» sieht nun Handlungsbedarf.

Keine Informationen für Angestellte

Tuberkulose ist eine bakterielle Infektionskrankheit, welche am häufigsten die Lungen angreift. Sie gilt eigentlich als Armutskrankheit und wird in der Schweiz systematisch beobachtet und bekämpft. Fälle offener (und damit ansteckender) Tuberkulose kamen in den vergangenen Jahren nur selten vor. Dass es nun trotzdem zu Übertragungen kommen konnte, schreibt «augenauf» unter anderem dem ungenügenden oder ganz fehlenden Informationsaustausch zwischen den verschiedenen staatlichen und privaten Stellen zu, welche ein infizierter Asylsuchender im Abklärungsprozess durchlaufen muss. Demnach wurden in den dokumentierten Fällen aus Zürich Angestellte und die Öffentlichkeit nur selten über Krankheitsfälle informiert. Dies führte gemäss «augenauf» 2008 auch zu Ansteckungen im Personal.

Spardruck als Gefahr für die öffentliche Gesundheit?

Nach den Einschätzungen von «augenauf» sind die höheren Fallzahlen von offener Tuberkulose eine Folge des Spardrucks im Asylwesen sowie der Verschärfung der Asylpolitik im allgemeinen. Dies habe dazu geführt, dass abgewiesene Asylsuchende auf wichtige Grundlagen verzichten müssen, durch welche sich ein Ausbruch der Tuberkulose verhindern liesse. Dazu gehören etwa eine gesunde Ernährung, Bewegungsmöglichkeiten oder der Zugang zur Krankenversicherung sowie die freie Arztwahl. Gemäss Angaben von «augenauf» dauerte es in den dokumentierten Fällen oft zu lange bis ein Asylsuchender die notwendige ärztliche Hilfe erhielt. Schuld daran war meistens die Leitung der Asylzentren, welche als erste Instanz über einen Arztbesuch eines Asylsuchenden entscheidet, in medizinischen Belangen jedoch offensichtlich nicht genügend ausgebildet war.

Der Bericht von «augenauf» zeigt, dass der Spardruck im Asylwesen in der Schweiz, wo die offene Form von Tuberkulose nur selten vorkommt und deshalb die Erfahrung mit der Erkennung der Symptome weitgehend fehlt, nicht zuletzt für die öffentliche Gesundheit fatale Folgen haben kann.  

01.05.2009