Schüsse auf Fahrende im Tessin

Am 18. Juni 2010 hat ein Unbekannter in Galbisio bei Bellinzona auf das Auto eines Fahrenden geschossen. Der Schuss traf das Fahrzeug, verletzt wurde niemand. Die Tessiner Polizei hat Ermittlungen eingeleitet, um den Täter ausfindig zu machen. Offenbar hatte der Schütze von einem Auto aus gezielt, das auf der nahen A2 auf dem Pannenstreifen gestoppt hatte. Es ist nicht das erste Mal, dass die Fahrenden auf der Alpensüdseite von unbekannten Tätern ins Visier genommen wurden. Ähnliche Vorfälle hatten sich in den vergangenen Jahren schon in Biasca, Mendrisio, Balerna, Gudo und in San Vittore ereignet. Die Attacken gingen meist glimpflich aus. Die Heckenschützen konnten nie ausfindig gemacht und nie zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Eidg. Kommission gegen Rassismus (EKR) verurteilt den tätlichen Angriff in einer Medienmitteilung. Auch wenn die näheren Umstände des Anschlages noch nicht geklärt seien, müsse der erneute Angriff auf Fahrende aufrütteln. Das Klima gegenüber Fahrenden habe sich in der Schweiz im Allgemeinen und im Speziellen im Tessin verschlechtert, schreibt die EKR und verurteilt insbesondere die Reaktion von Politikern der Lega dei Ticinesi auf den Vorfall. Verschiedene Tessiner Zeitungen verschärften den Ton gegenüber Fahrenden und prägten damit den öffentlichen Diskurs. Anderseits hätten Regierungsrat Luigi Pedrazzini und Bischof Giacomo Grampa den Vorfall erfreulicherweise mit klaren Worten verurteilt.

Lebensbedingungen verbessern

Weiter schreibt die EKR: «Obschon die Verfassung die Diskriminierung aufgrund der Lebensform verbietet und die Schweiz das Rahmenabkommen des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten ratifiziert und damit Fahrende als kulturelle Minderheit anerkannt hat, erfahren Fahrende immer wieder solche Diskriminierungen. Die EKR sowie auch die Stiftung Zukunft für Schweizer Fahrende rufen die Kantone und Gemeinden dringend dazu auf, die Lebensbedingungen für Fahrende durch die Schaffung von Stand- und Transitplätzen endlich zu verbessern. Hier ist dringender Handlungsbedarf gegeben: Dass solche Taten wie der jüngste Angriff vorkommen, hat auch mit der strukturellen Diskriminierung, die Fahrende erleiden, zu tun. Zum Thema der Standplätze ist für nächstes Frühjahr eine grössere Tagung geplant.»

Dokumentation