Update: 21.05.2015

Tourismus in Sri Lanka: Kampagne fordert Sorgfalt

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ruft mit einer Kampagne Schweizer Reiseanbieter dazu auf, ihre menschenrechtliche Sorgfaltspflicht in Sri Lanka wahrzunehmen. In ihrem Bericht «Schatten im Sonnenparadies – Tourismus und Menschenrechte in Sri Lanka» macht die Organisation auf systematische Menschenrechtsverletzungen aufmerksam, die auf die touristische Entwicklung zurück zu führen sind. Die sri-lankische Regierung ist derweil bemüht nach mehreren Jahren des Bürgerkrieges, das Bild von einem zur Normalität zurückgekehrten Land zu vermitteln. Trotz den Menschenrechtsverletzungen und Landenteignungen ist Sri Lanka bei Schweizerinnen und Schweizern ein sehr beliebtes Reiseziel.

Situation in Sri Lanka

Wie aus dem Bericht der GfbV hervorgeht, erlebt Sri Lanka zurzeit einen wahren touristischen Aufschwung. Im Jahr 2014 haben auf der Insel im Indischen Ozean nicht weniger als 1,5 Mio. Menschen ihren Urlaub verbracht. Mit 20‘097 Besuchern/-innen stellte die Schweiz 2014 die fünftgrösste westeuropäische Tourismusgruppe dar.

Die Insel ist allerdings nicht nur eine idyllische Feriendestination für Sonnenhungrige. Im politischen Kontext des Umbruchs werden die minimalen Menschenrechtsstandards der touristischen Entwicklung geopfert. In den untersuchten Tourismusregionen offenbart sich die Situation laut dem Bericht der GfbV als alarmierend. So werde den Fischern der Zugang zum Meer durch Hotels und Ferienresorts versperrt, was eine ernsthafte Gefährdung der wirtschaftlichen Existenz ganzer Familien nach sich ziehe und mehr als 1200 Personen direkt betreffe. Zudem komme es zu Landenteignungen und nur einem kleinen Teil der Bevölkerung sei es noch möglich, den Lebensunterhalt durch Einnahmen aus dem Tourismus zu bestreiten.

Tourismus in den Händen des Militärs

Im Gegensatz zur Bevölkerung ist der Einfluss der Armee auf den touristischen Sektor unverhältnismässig hoch. Obwohl der Krieg seit einigen Jahren vorbei ist, steigen die Armeeausgaben seit Kriegsende kontinuierlich und belaufen sich im Jahr 2015 laut der GfbV auf 16,6% der prognostizierten Haushaltsausgaben. Ein grosser Teil davon wird in den Tourismus investiert. Denn die Armee, die nationale Marine und die Luftwaffe haben im ganzen Land Hotels eröffnet und bieten Touristen/-innen immer mehr Aktivitäten an. Wie ein Artikel des Courrier vom 9. April 2015 enthüllt, wurden gewisse Ländereien, die vom Militär heute touristisch genutzt werden, während des Krieges konfisziert. Da dieses Land dank des Tourismus für das Militär grosse Einnahmen abwirft, zeichnet sich ab, dass die Rückkehr der ursprünglichen Eigentümer/innen auf das ihnen zustehende Land nicht mehr möglich sein wird. So warten mehrere hundert tamilische Familien trotz des bestehenden Anspruchs auf Rückübertragung ihres Landes vergeblich auf eine Rückkehr in ihre Häuser, während sie ein kümmerliches Leben in Lagern fristen.

Verantwortung der Reiseanbieter

Die GfbV schrieb zum Kampagnenstart im Februar 2015, trotz der beunruhigenden Menschenrechtsbilanz würden mindestens 21 Schweizer Reiseanbieter, Hotels in den drei untersuchten Tourismusregionen Kalpitiya, Kuchchaveli und Passikudah anbieten. Die Organisation verlangt von den Schweizer Reiseveranstaltern, dass diese davon absehen, Hotels anzubieten, die «auf enteignetem Land gebaut wurden, den Zugang zum Meer für lokale Fischerfamilien einschränken, Frauen und Minderheiten diskriminieren oder die gewerkschaftliche Organisation der Mitarbeitenden verbieten oder einschränken.» Zudem fordert die GfbV von den Schweizer Reiseanbietern, dass diese keine vom Militär geführten Hotels und andere touristische Aktivitäten des Militärs in ihr Angebot aufnehmen, «solange nicht nachweislich festgestellt wurde, dass sie nicht auf widerrechtlicher Landaneignung oder anderweitigen Menschenrechtsverletzungen basieren.»

Für die GfbV stellen diese Forderungen Minimalstandards dar, um zu garantieren, dass Schweizer Reiseanbieter nicht zu Komplizen von systematischen Menschenrechtsverletzungen in Sri Lanka werden. In Anlehnung an die «Guiding Principles on Business and Human Rights» unterstreicht die Kampagne, dass die soziale Verantwortung der Unternehmen auch die Respektierung der Menschenrechte beinhalte. Die Reiseanbieter müssten die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht regelmässig prüfen und sicherstellen, dass durch ihre eigenen Aktivitäten und die ihrer lokalen Partner keine Menschenrechtsverletzungen begangen werden.

Neue Regierung muss aktiv werden

Der Bericht der GfbV verlangt des Weiteren von der neuen sri-lankischen Regierung, dass sie ihre Strategie im Tourismusbereich verbessert, die geltenden Vorschriften und Gesetze anwendet und die Bevölkerung sowie die Minderheiten gegen jede Menschenrechtsverletzung schützt. Sri Lanka hat im Januar 2015 durch die Wahl von Maithripala Sirisena zum neuen Staatspräsidenten eine wichtige Kursänderung erfahren. So veröffentlichte die neue Regierung ein sehr vielversprechendes Wahlmanifest in Bezug auf die Menschenrechte. Sie muss durch konkrete Aktionen allerdings erst noch beweisen, dass sie auch gewillt ist, die Menschenrechtssituation auf der Insel wirklich zu verbessern.

Dokumentation

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