Steigende Nachfrage: 200 Beratungen im 2020

Im Jahr 2020 hat die Unabhängige Beratungsstelle für Menschen im Freiheitsentzug (UBF) beinahe 200 Anfragen von Gefangenen und ihren Angehörigen bearbeitet – so viele wie noch nie seit dem Startschuss im Jahr 2017. Dieses Angebot muss kostenlos bleiben – dafür sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen! 

115 der ratsuchenden Personen befanden sich im Strafvollzug. Weitere Anfragen erreichten uns aus der Untersuchungshaft (44) und dem stationären Massnahmenvollzug nach Artikel 59 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (23).

«Ich konnte mein neugeborenes Kind wochenlang nicht in die Arme nehmen. Aufgrund der Covid-Schutzmassnahmen wurde mir der Besuch nur hinter einer Trennscheibe gewährt», berichteten zwei frischgebackene Väter.

Das Themenspektrum an geschilderten Problemen war breit und reichte von der mangelhaften medizinischen Versorgung, über zu restriktiven Kontakt zur Aussenwelt bis hin zu unverhältnismässigen Arreststrafen oder verweigerten Vollzugsöffnungen. Ein wichtiges Thema war der Stufenvollzug: Oft waren die Kriterien für Gewährung oder nicht Gewährung von Vollzugslockerungen für die Gefangenen nicht nachvollziehbar und wurden aus ihrer Sicht dazu verwendet, abweichendes Verhalten zu sanktionieren:

«Wer etwa durch eine Unmutsäusserung oder eine Beschimpfung negativ auffällt, riskiert auf einen Schlag massiv zurückgestuft zu werden», beschwerte sich NN (stationäre Massnahme nach Artikel 59 Strafgesetzbuch).

Damit wir Menschen in Freiheitsentzug und ihre Angehörigen weiterhin kostenlos beraten können, sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen. Spenden Sie jetzt und verhelfen Sie diesen Menschen zu ihrem Recht!


Unser Beratungsangebot entwickeln wir fortlaufend weiter: Seit Kurzem finden Sie auf unserer Website eine Liste mit spezialisierten Anwält*innen im Straf- und Massnahmenvollzug.

Mit dem Unterstützungskomitee soll der Beratungsstelle und ihren Anliegen mehr Sichtbarkeit verliehen werden. Oder in den Worten von Stefan Trechsel, em. Strafrechtsprofessor Universität Bern:

«Eine Gesellschaft zeigt ihren Wert, ihren Respekt für Menschlichkeit und Menschenrechte am deutlichsten darin, wie sie mit den Menschen umgeht, denen sie die Freiheit entzogen hat»