GfbV-Bericht: Zwangsmigration von Roma, Aschkali und Balkan-Ägyptern aus dem Kosovo

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat eine ausführliche Studie über die Zwangsmigration von gewissen Minderheiten aus dem Kosovo veröffentlicht. Unter dem Titel «Gefangen im Teufelskreis» beschreibt der Bericht, wie Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter aufgrund struktureller Diskriminierung und mangelnder Perspektiven aus dem Kosovo nach Westeuropa kommen, nur um dann häufig wieder in den Kosovo abgeschoben zu werden und später abermals zurückzukehren. Zu diesem Schluss kommt die Studie nach Befragungen von Familien aus dem Kosovo, die nach einem Aufenthalt in Westeuropa zwangsweise in den Kosovo rückgeführt wurden.

«Strukturelle und kumulative Diskriminierung»

Von den 70 Familien, die in den Kosovo rückgeführt wurden, hatten zum Zeitpunkt der Befragung bereits 30 Familien den Kosovo in Richtung Serbien verlassen. Bei einer erneuten Kontaktaufnahme einige Monate später befanden sich nur noch die wenigsten Familien im Kosovo, einige waren abermals in Serbien und fast 50 waren wieder in Westeuropa. Der Bericht kommt zum Schluss, dass diese Familien aufgrund der minderheitsbedingten Diskriminierung und der wirtschaftlichen Lage im Kosovo keine Lebensgrundlage haben. Keine einzige der befragten Personen verfügte über eine legale Anstellung im Kosovo, lediglich ein Viertel der Kinder im schulpflichtigen Alter besuchten die Schule.

Gescheiterte Wiedereingliederung erfordert neue Lösungen

Weil die Wiedereingliederungspolitik der kosovarischen Regierung offensichtlich kaum Wirkung zeigt, fordert die GfbV in ihrer Studie neue Lösungsansätze. Da sich auch die Rückführungspolitik der westeuropäischen Länder als wenig effizient und nicht nachhaltig erwiesen hat – 50 der 70 Familien waren einige Monate nach ihrer Rückführung in den Kosovo bereits wieder in Westeuropa – lautet die erste Forderung, «bereits länger in Westeuropa lebende Roma-, Aschkali- und Balkan-Ägypter-Flüchtlinge dauerhaft zu integrieren, so lange die systematische und kumulative Diskriminierung andauert.»

Ausserdem fordert der Bericht legale Arbeits- und Ausbildungsprogramme für Roma, Aschkali und Balkan-Ägypter aus dem westlichen Balkan in Westeuropa sowie die Umsetzung von Integrationsprogrammen für diese Minderheiten auch in den Ländern des westlichen Balkans.

Dokumentation

05.01.2016