Update: 22.07.2005

Nestlé angeklagt wegen Zwangsarbeit für Kinder 

Die Menschenrechtsorganisation International Labor Rights Fund (ILRF) und die renommierte Kanzlei Wiggins, Childs, Quinn & Pantazis, LLC klagen in den USA gegen Nestlé S. A, Nestlé U.S.A., Archer Daniels Midland Co., Cargill Incorporated Company, Cargill Cocoa und West Africa S.A, wegen erzwungener Kinderarbeit. Die Kläger beschuldigen die Unternehmen wegen Kinderhandel, Folterung und erzwungener Kinderarbeit betreffend Kultivierung und Ernte von Kakaobohnen, welche die Firmen aus Afrika importieren. Die Klage wurde unter zwei US-amerikanischen Bundesgesetzen, dem «Torture Victims Protection Act» und dem «Alien Tort Claims Act» vorgebracht.

Der Sachverhalt betrifft Kinder aus Mali, die im Alter von 12-14 Jahren in die Elfenbeinküste verfrachtet wurden und dort bis 14 Stunden täglich, ohne Lohn, ohne ausreichende Ernährung und Schlaf und häufiger physischer Gewalt arbeiten mussten. Betroffen sind tausende Kindersklaven, die seit 1996 in der Elfenbeinküste solche Arbeit verrichten müssen. Drei Kinder klagen stellvertretend in einem anonymen Sammelprozess als «John Does», da sie Vergeltungsmassnahmen von den Eigentümern der Betriebe, in denen sie arbeiteten, fürchten müssen.

Die ILRF-Anwältin Natacha Thys sagte, die Konzerne hätten in den vergangenen Jahren wiederholte Warnungen ignoriert. Die Unternehmen hätten die ausbeuterische Kinderarbeit stoppen können, weshalb der Gang zum Gericht der letzte Ausweg gewesen sei. «It is unconscionable that Nestle, ADM and Cargill have ignored repeated and well-documented warnings over the past several years that the farms they were using to grow cocoa employed child slave laborers. They could have put a stop to it years ago, but chose to look the other way. We had to go to court as a last resort.» Es sei nun zu hoffen, dass die vorliegende Klage Recht schaffe, welches den Kindern weggenommen wurde, und dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden, so Herman N. Johnson von Wiggins, Childs, Quinn & Pantazis LLC.

Global Exchange, eine Menschenrechtsorganisation in San Francisco, schloss sich der Klage an. Die Organisation stellt fest, dass bis jetzt keine wirkungsvollen und konkreten Schritte von den Konzernen unternommen worden sind, um Kinderarbeit auf den Farmen zu verhindern, die Kakao für Firmen wie Nestle produzieren. Global Exchange plant zudem, in US-amerikanischen Städten Demonstrationen gegen Nestlé zu unterstützen.

Die Klage folgt dem Stichtag für eine freiwillige Initiative der Industrie (1.Juli 2005), bekannt als «Harkin-Engel Protokoll». Das Protokoll bezweckt, schlimmste Formen von Kinderarbeit in der Westafrikanischen Kakaoindustrie zu beseitigen. Eine zentrale Bestimmung des Protokolls beinhaltet die Verpflichtung der Unternehmen, ein unabhängiges und glaubwürdiges Überwachungs-, -Bescheinigungs- und Kontrollsystem einzuführen, um bei ihren Lieferanten Kinderarbeit zu unterbinden. Zusätzlich wird von den Unternehmen erwartet, dass sie zugunsten der Betroffenen glaubwürdige Programme einführen, um die Rehabilitation und Entschädigung der Kindarbeiter zu verwirklichen. Bis zum 1. Juli 2005 haben es die Unternehmen versäumt, ein solches System einzuführen, obwohl seit längerer Zeit die Fakten zur ausbeuterischen und menschenrechtswidrigen Kinderarbeit in der Westafrikanischen Kakaoindustrie bekannt waren und darüber auch öffentlich berichtet wurde.

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