Update: 20.07.2004

Bericht eines abgewiesenen Asylsuchenden 

Vorbemerkung: Der nachstehende Bericht wurde uns im Juli 2004 zur Veröffentlichung zugesandt. Wir haben den Text sprachlich redigiert und annonymisiert. Das Zeugnis steht im Kontext des Fürsorgestopps, dessen Ausweitung auf alle abgewiesenen Asylsuchenden gegenwärtig zur Diskussion steht. Der Text dokumentiert, dass dies bereits jetzt als Druckmittel angewandt wird.

Darfur in der Schweiz

Hungrig, einsam, müde und ratlos nach der Flucht zur Rettung ihres Lebens: Das ist die Geschichte aller Flüchtlinge.

Heute ist der zwölfte Tag, dass er keine Versorgung mehr bekommt. Heute ist der zwölfte Tag, dass er zum Essen alles Essbare sucht. Manchmal nur eine Mahlzeit. Kein Geld, keine Lebensmittel, kein warmes oder kaltes Essen. Keine Kontakte mit der Familie; ohne Geld ist das unmöglich.

Mit einem Fragezeichen im Gesicht schaut er in seine unklare Zukunft. Einsam und hungrig, müde und ratlos Das ist nicht die Geschichte eines Darfur-Flüchtlings in Sudan, sondern das ist eine Tragödie in Bulle im Kanton Fribourg.

Ein Asylsuchender aus Iran hat seit dem 1. Juli 2004 keine Versorgung mehr bekommen. Gemeinde, Caritas, Rotes Kreuz und Fremdenpolizei schauen alle zu. Niemand fragt sich, wie lebt Herr N. nach dem zweiten negativen Entscheid des BFF. Er wird unter Druck gesetzt, damit er das Formular für eine freiwillige Rückkehr nach Iran unterschreibt. Auch mit dem neuen Asylgesetz müsste er noch Sozialfürsorge erhalten. Und er hat kein Recht für eine Nothilfe von der Gemeinde. So wohnt er seit zwölf Tagen in Darfur. Neben dem Grab des humanitären Images der Schweiz.

So lautet Artikel 25 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte:

Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet, einschließlich Nahrung, Kleidung, Wohnung, ärztliche Versorgung und notwendige soziale Leistungen.

Weitere Informationen

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