Update: 10.07.2014

UNO-Sonderberichterstatter für den Schutz von Menschenrechtsverteidigern/-innen

Im Jahre 2000 - zwei Jahre nach Verabschiedung der UNO-Deklaration zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern/-innen - beauftragte die damalige UNO-Kommission für Menschenrechte (das Vorgängergremium des heutigen Menschenrechtsrats) den UNO-Generalsekretär, ein Sonderberichterstattermandat für den Schutz von Menschenrechtsverteidiger/innen zu schaffen (Resolution 2000/61). Die Kommission wollte damit die Umsetzung der Deklaration für Menschenrechtsverteidiger/innen unterstützen. Nicht zuletzt sollte mit dem Mandat dafür gesorgt sein, dass die Kommission regelmässig über die aktuelle Situation von Menschenrechtsverteidigern/-innen in der Welt informiert wird.

Im August 2000 wurde Hina Jilani vom Generalsekretär als dessen Sonderbeauftragte für die Situation von Menschenrechtsverteidiger/innen eingesetzt. Ihr Mandat wurde in der Folge von der Kommission 2003 (Resolution 2003/64) und vom Menschenrechtsrat 2007 (Resolution 5/1) erneuert. 2008 (Resolution 7/8) und 2011 (Resolution 16/5) entschied der Menschenrechtsrat jeweils das Mandat für eine Periode von drei Jahren zu erneuern. Im Jahr 2008 wurde Hina Jilani von Margaret Sekaggya als Sonderbeauftrage abgelöst. Im Jahr 2014 verlängerte der Menschenrechtsrat erneut das Mandat um drei Jahre und im selben Jahr folgte der Franzose Michel Forst auf Margaret Sekaggya. Die entsprechende Resolution erfuhr während der Märzsession im Menschenrechtsrat grosse Unterstützung, mittlerweile wird sie von 79 Staaten mitgesponsert. Russland, Südafrika und einige andere brachten erfolglos mehrere feindlich gesinnte Abänderungsanträge in den Rat. Schliesslich konnte erneut eine starke Resolution per Konsens verabschiedet werden.

Mandatsinhalt

Das Mandat für den Schutz von Menschenrechtsverteidiger/innen ist breit und beinhaltet mehrere Schwerpunkte: Zum einen soll der Mandatsinhaber verschiedenartige Informationen über die Situation von Menschenrechtsverteidiger/innen beschaffen, entgegennehmen, analysieren und beantworten. Zum andern ist es seine Aufgabe, die Kooperation und den Dialog mit Regierungen und andern interessierten Akteuren zur Förderung und Umsetzung der Deklaration aufrecht zu erhalten. Ausserdem soll er Strategien für einen besseren Schutz von Menschenrechtsverteidigern/-innen erarbeiten und Empfehlungen dazu abgeben, bzw. das Follow-up gewährleisten. In seiner gesamten Arbeit muss der Sonderberichterstatter ferner die Geschlechterperspektive integrieren.

Die Resolution des Menschenrechtsrates hält die Regierungen an, mit dem Sonderberichterstatter zusammen zu arbeiten und ihm die angeforderten Informationen weiterzugeben. Die Regierungen sind zudem aufgefordert, die Empfehlungen des Mandatsinhabers umzusetzen und weiterzuverfolgen.

Schutzinstrumente des Sonderberichterstatters

Der Mandatsinhaber präsentiert jährlich einen Bericht zuhanden des Menschenrechtsrates und der Generalversammlung, der auf bestimmte Themen oder Situationen von besonderer Bedeutung für die Förderung des Schutzes von Menschenrechtsverteidigern fokussiert.

Ein wichtiges Schutzinstrument des Sonderberichterstatters sind die regelmässigen Länderbesuche. Sie erlauben ihm, die Lage von Menschenrechtsverteidiger/innen vor Ort detailliert zu untersuchen und spezielle Probleme zu entdecken. Diese Besuche dauern 5 bis 10 Tage. Der Mandatsinhaber trifft in dieser Zeit Regierungsmitglieder, unabhängige Menschenrechtsinstitutionen, UNO-Institutionen, Medien, Menschenrechtsverteidiger/innen und weitere Akteure. 

Nach dem Besuch verfasst der Mandatsinhaber einen Bericht, der die wichtigsten Anliegen und Empfehlungen an die Regierungen festhält. Der Bericht wird alljährlich vom Menschenrechtsrat zur Kenntnis genommen. Zur Veranschaulichung: Margaret Sekaggya war 2010 in Armenien. In ihrem Staatenbericht zu Armenien kritisierte sie Angriffe auf Journalisten/-innen und die Einschränkung der Versammlungsfreiheit durch ein neues NGO-Recht. Sie hat Armenien u.a. empfohlen, durch Dialog und Zusammenarbeit das Vertrauen von Zivilgesellschaft und Medien zu fördern. Das Observatorium für den Schutz von Menschenrechtsverteidiger/innen (OBS) berichtete 2012 über Armenien, der Staat sei den Forderungen der Sonderberichterstatterin teilweise entgegen gekommen, doch die Versammlungsfreiheit sei weiterhin eingeschränkt.

Der Sonderberichterstatter setzt sich auch mit Einzelfällen von Menschenrechtsverletzungen gegen Menschenrechtsverteidiger/innen auseinander. Das Instrumentarium zur Druckausübung besteht aus «anklagenden» Briefen («Allegation Letters») und Appellen, die einen dringenden Handlungsbedarf anzeigen («Urgent Action Letters»).

Zu den bisher errichteten Schutzmechanismen der UNO gehören ferner die Berichterstattung durch den UNO-Generalsekretär über bekannt gewordene Fälle von Repressionen sowie die direkte E-Mail ans Büro der Hochkommissarin für Menschenrechte.

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