Raubbau von Schweizer Firmen in Kolumbien

Vertreter der Arbeitsgruppe Schweiz Kolumbien (ASK) haben im August 2007 die Kohlenminen des Schweizer Konzerns Glencore in Kolumbien besucht. Sie sind sehr besorgt über die Lage der Arbeitnehmenden, insbesondere in der Kohlenmine La Jagua. Hier hat der Konzern 120 Arbeiter/innen entlassen, angeblich wegen mangelnder Rentabilität. Gemäss ASK kam es zu den Entlassungen jedoch, weil die Arbeitnehmenden sich gewerkschaftlich organisiert und bessere Arbeitsbedingungen gefordert hatten. Die Arbeitnehmenden berichteten gegenüber ASK von Einschüchterungsversuchen durch die Verantwortlichen von Glencore. Eine Barrikade der Entlassenen sei schliesslich von einem massiven Militär- und Polizeiaufgebot aufgelöst worden, berichtet ASK weiter.

Prekäre Lage in den Dörfern 

ASK und andere Nichtregierungsorganisationen beobachten die Arbeit von Glencore in Kolumbien seit längerem. Vertreter/innen von ASK haben die die Regionen, wo Kohlenminen betrieben werden, immer wieder bereist. Zur Reise vom August 2007 gibt es mehrere Dokumente, welche auf der Website der Organisation abgerufen werden können. In Berichten über die Kohleminen erwähnen die ASK-Vertreter die schlechten Arbeitsbedingungen, die Verfolgung und Ermordung von Gewerkschafter/innen und die Einschüchterung von Arbeitnehmenden. Der Abbau von Kohle bedeutet für die lokale Bevölkerung eine starke Beeinträchtigung der Lebensqualität, viele leiden wegen Beeinträchtigung der Umwelt (Wasserknappheit, Kohlestaub in der Luft) unter Gesundheitsproblemen und die Kindersterblichkeit ist überdurchschnittlich hoch. Von den Riesengewinnen der Konzerne wie Glencore profitieren sie hingegen kaum.

Umsatzstärker als Nestlé 

Glencore seinerseits ist das umsatzstärkste Unternehmen der Schweiz (2006: 146 Mia Franken). Zum Kerngeschäft gehören der Handel mit Kohle, Öl, Metallen und Agrarprodukten. Glencore ist zudem an zahlreichen andern Unternehmen beteiligt. Der Konzern ist nicht börsenkotiert.

Dank internationalem Druck, der auch zu einem wesentlichen Teil von der Schweiz ausging, konnte im Februar 2007 nach monatelangen Verhandlungen und Konflikten Ende Januar 2007 ein neuer Gesamtarbeitsvertrag für die kolumbianischen Minenarbeiter der Kohlemine El Cerrejón ausgehandelt werden. Damit wurde ein grosser Erfolg für die Arbeiter erzielt. Allerdings ändert sich die Situation der in der Umgebung ansässigen Personen dadurch nicht.

Damit die transnationalen Unternehmen, welche in El Cerrejón tätig sind, endlich für ihr Tun zur Verantwortung gezogen werden, haben Nichtregierungsorganisationen im Herbst 2007 beim UNO-Menschenrechtsrat eine Deklaration eingereicht. Darin prangern die Organisationen das menschenrechtswidrige Vorgehen von XStrata und zwei weiteren in El Cerrejón tätigen transnationalen Unternehmen an. Die Deklaration beschreibt die Zwangsumsiedlung von Indigenen und die schwerwiegende Verschlechterung der Lebenssituation der ansässigen Bevölkerung, für welche die Minenbetreiber verantwortlich sind. Der Text erwähnt im übrigen auch, dass Xstrata und die beiden anderen verantwortlichen Firmen den Global Compact der UNO unterschrieben haben.  

Die in Zug domizilierte Firma Xstrata Plc besitzt einen Drittel der kolumbianischen Betriebsgesellschaft Carbones del Cerrejón im Departement Guajira, mit 69'000 Hektaren der weltweit grösste Kohlenpott im Tagbau. Xstrata PLC hatte das Aktienpaket 2006 von Glencore AG übernommen. Der Kohleabbau in Kolumbien hat seinen Preis: seit Beginn des Abbaus wurden immer wieder ganze Siedlungen von Afrokolumbianern und Indianern geräumt.

Druck hält an 

Anlässlich der Aktionärsversammlung von Xstrata von Anfang Mai 2007 machten Vertreter/innen der Gewerkschaft UNIA, der Alternative Kanton Zug und der Arbeitsgruppe Schweiz-Kolumbien (ASK) die Aktionäre mittels Flyer auf diese Missstände aufmerksam. Gemäss Mail und Medienmitteilung der erwähnten Organisationen reagierten die Aktionäre mehrheitlich positiv darauf. In der Folge kam es demnach zu einem kurzen Gespräch mit Verantwortlichen von Xstrata, welche die NGO-Vertreter einluden, an der Aktionärsversammlung als Beobachter teilzunehmen.

Siedlungen werden geräumt 

Im August 2001 wurde das Dorf Tabaco gewaltsam geräumt, viele der Betroffenen sind traumatisiert und haben keine oder sehr geringe Entschädigungen für ihren gesamten Besitz erhalten. Weiteren Siedlungen droht ein ähnliches Schicksal: sie müssen in den nächsten ein bis vier Jahren der Mine weichen. Den Bewohnern wird schon heute der Zugang zu ihrem Land durch Strassensperren verunmöglicht, die Stromversorgung wird häufig unterbrochen und sie haben keine Möglichkeit, Arbeit zu finden. Hinzu kommen gesundheitliche Beschwerden wie Hautausschläge und Atemwegserkrankungen.

Massaker ungeklärt

Immer noch ungeklärt sind die Hintergründe des schweren Massaker an Wayúu – Indianern vom 18. April 2004 in Bahía Portete, bei dem 13 Frauen und Kinder von Paramilitärs brutal ermordet wurden. Es wird geschätzt, dass daraufhin zwischen 1000 und 3000 Wayúu-Indianer nach Venezuela geflohen sind. Bahía Portete liegt in unmittelbarer Nähe des Hafens Puerto Bolívar, wo die Kohle verschifft wird, und es bestehen Pläne, in Bahía Portete einen Kohlehafen zu bauen. Verschiedene NGO sehen deshalb einen klaren Bezug zwischen dem Massaker und den Hafenplänen.   

Informationsveranstaltungen 

Zwischen dem 17. und 25. Januar hielten zwei Betroffene aus Kolumbien in der Schweiz Vorträge zum Kohleabbau in Guajira. Organisiert wurde diese Vortragsreihe von der Arbeitsgruppe Schweiz - Kolumbien. Die Theatergruppe «Schauplatz International» führt zu diesem Thema das Stück «Stadt des Schweigens» auf. 

 

18.10.2007