Anti-Rassismuskonvention als lebendiges Instrument

Stephen Hagan c. Australien
(Communication No. 26/2002)

Der Fall, welche vom UN-Ausschuss gegen Rassendiskriminierung an seiner 62. Sitzung behandelt wurde, drehte sich um einen rassistischen Ausdruck auf einer öffentlichen Tafel auf einem Sportplatz in Australien: 1960 wurde eine Tribüne auf einem wichtigen Sportplatz nach einer bekannten Persönlichkeit aus der Sportwelt benannt und mit einem grossen Schild überschrieben, auf dem stand: «Mr. E. S. ‹Nigger› Brown Stand». Der Beschwerdeführer, seine Familie und weitere Personen fühlten sich durch diese Beschriftung und dadurch, dass der Platzspeaker bei jedem Sportereignis darauf verwies, rassistisch angegriffen. Ursprünglich empfand der Adressat, Mr. Brown – der übrigens weder schwarz noch Aborigine war – den Übernamen nicht als beleidigend oder herabwürdigend. Auch hatten sich weder Mr. Brown zu seinen Lebzeiten, noch das Publikum in den letzten Jahrzehnten an der Tafel gestossen. Der UN-Ausschuss stellte aber fest, dass die Anti-Rassismuskonvention ein lebendiges Instrument darstelle, das aufgrund der aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse ausgelegt und angewandt werden müsse. Heute sei die Sensibilität für Ausdrücke wie der in Frage stehende, gross, und der Ausdruck könne als eine rassistische Kränkung gelesen und verstanden werden. Der Ausschuss empfahl deshalb dem australischen Staat dafür zu sorgen, dass die entsprechende Bezeichnung von der Tafel entfernt werde. Der mit der Tafel geehrte Sportler könne problemlos auch in einer nicht stossenden Weise geehrt werden. Der Ausschuss wünschte sodann, über die Entfernung informiert zu werden.

Quelle

14.11.2010