Strafanzeige gegen zwei Schweizer wegen Leugnung des Völkermords von Srebrenica

Zwei Autoren der Zeitschrift «La Nation» bezeichnen den serbischen Völkermord von Srebrenica als «Pseudo-Massaker». Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und TRIAL (Schweizerische Gesellschaft für Völkerstrafrecht) haben am 19. April 2010 bei den Waadtländer Untersuchungsbehörden Strafanzeige wegen Leugnung eines Völkermordes und von Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingereicht. Bis anhin musste sich die Schweizer Justiz erst mit der Leugnung des Völkermordes an den europäischen Juden und an den Armeniern befassen.

«Leugnung verhindert Versöhnung»

«Nach dem Schrecken, den die Opfer erfahren haben, ist die Leugnung eben dieser Verbrechen unerträglich und verhindert eine echte Versöhnung aller Betroffenen und damit ein friedliches Zusammenleben in Zukunft», erklärt Fadila Memisevic, Präsidentin der GfbV-Sektion Bosnien-Herzegowina. Und TRIAL-Präsident Philip Grant erklärt: «Die von den Autoren vorgebrachten Argumente sind die gleichen, die Radovan Karadzic zurzeit in Den Haag vorträgt. Sie verleugnen die Leiden der Opfer und entlasten die Henker.»

Die beiden regelmässigen Autoren der rechts aussen angesiedelten Zeitschrift «La Nation», bestreiten unter anderem den Völkermord in Srebrenica und die Ermordung von über 8‘000 männlichen Muslimen, die Gräuel in Konzentrationslagern und serbische Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die Massenvergewaltigungen durch bosnische Serben sowie die serbischen Granatenangriffe auf den Markplatz von Sarajevo, wie TRIAL auf der eigenen Website festhält. Auslöser für den Text war die Ausrufung der Unabhängigkeit Kosovos am 17. Februar 2008. Die Zeitung «La Nation», Organ der Ligue vaudoise, veröffentlichte kurze Zeit später eine Artikelserie über «Das mediale Lynchen der Serben».

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