Rohstoff-Riese Glencore gefährdet Menschenrechte auf den Philippinen

Der Zuger Bergbaukonzern Glencore Xstrata gerät erneut wegen Menschenrechtsverletzungen in die Kritik (vgl. auch Artikel auf humanrights.ch): Der geplante Bau einer Mine auf den Philippinen gefährdet die Lebensgrundlage von Zehntausenden von Menschen. Dies zeigt eine von kirchlichen Hilfswerken in Auftrag gegebene Untersuchung. Die Organisationen fordern die Sistierung des Projekts.

«Das Pulverfass droht zu explodieren»

Nichts Geringeres als die grösste Kupfer-Gold-Mine Asiens soll in Tampakan auf der philippinischen Insel Mindanao entstehen: Während 20 Jahren will das Unternehmen Sagittarius Mines Inc. (SMI), welches zum mit Glencore fusionierten Xstrata-Konzern gehört, 375‘000 Tonnen Kupfer und 360‘000 Unzen Gold abbauen.

Zur Realisierung des Projekts sollen rund 5‘000 Indigene umgesiedelt werden, weil ihr angestammtes Land gebraucht und damit zerstört würde; die Mine bedroht zudem die Wasserversorgung von Zehntausenden Bewohnern/-innen. Das Gebiet ist heute politisch instabil und zunehmend von Gewalt geprägt. Bislang sind nach Angaben der Hilfswerke bereits acht Menschen im Umfeld des Projekts ums Leben gekommen. Die lokale Organisation «Social Action Center (SAC)» warnt vor einer Eskalation der Situation: Das Pulverfass drohe zu explodieren.

Freie und informierte Zustimmung der Bevölkerung notwendig

Fastenopfer, Brot für alle und das deutsche bischöfliche Hilfswerk Misereor haben beim Institut für Entwicklung und Frieden der Universität Duisburg-Essen eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Der Mitte Juni 2013 veröffentlichte Bericht beruht auf Dokumenten und Umfragen vor Ort und zeigt, dass die Glencore-Xstrata-Tochter SMI die Wirkung ihrer Tätigkeiten auf die Menschenrechte vorgängig zu wenig abgeklärt hat. Gerade in «konfliktiven Gebieten» wie in Tampakan sei dies aber unerlässlich, schreiben die Hilfswerke in der Medienmitteilung zum Bericht.

Insbesondere müsse ein echter Austausch mit der betroffenen Bevölkerung stattfinden. «Das Recht der indigenen Bevölkerung, über die Realisierung von Bergbauprojekten auf ihrem Territorium frei zu entscheiden, muss respektiert werden», so Elisabeth Strohscheidt von Misereor. Die Menschen vor Ort müssen also über die Auswirkungen des Projekts auf ihre wirtschaftliche und soziale Lage, ihre Kultur und die Umwelt möglichst gute Kenntnisse haben. Bislang seien Risiken (wie etwa die Erdbebengefahr im Gebiet, mögliche Umweltverschmutzungen sowie die Gefährdung der Ernährungssicherheit und der Wasserversorgung) von der Glencore-Xstrata-Tochter wenig oder gar nicht angesprochen worden. Dass das Unternehmen zugleich Verbesserungen im Schul- und Gesundheitswesen vornehmen will, werten die Hilfswerke negativ, da die Bewohner so in ein Abhängigkeitsverhältnis von der Bergbaufirma geraten.

Gefordert ist auch der Schweizer Bundesrat

Die Tochtergesellschaft von Glencore Xstrata hat sich zu den UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte bekannt und verpflichtet sich damit, die Menschenrechte weltweit zu respektieren. Die Hilfswerke fordern nun in erster Linie einen «ehrlichen Dialog» zwischen dem Unternehmen, der philippinischen Regierung und der betroffenen Bevölkerung. Darüber hinaus müsse aber auch die Schweizer Politik aktiv werden, so die Hilfswerke: «Es braucht eine gesetzliche Regulierung, damit die Sorgfaltspflicht für die Unternehmen zum verbindlichen Standard wird – so wie es die Kampagne Recht ohne Grenzen verlangt. Schweizer Unternehmen müssen die Menschenrechte respektieren, alle und überall auf der Welt.»

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