Update: 19.09.2016

Muslimfeindlichkeit

Muslimfeindliche Haltungen können wie andere Formen des Rassismus unterschiedlichste Ausprägungen annehmen: von aggressiven Anfeindungen oder Diskriminierungen gegenüber Muslimen/-innen im Arbeitsleben, im Bildungsbereich oder bei Einbürgerungen bis hin zu Gewalthandlungen gegen Leib und Leben und Anschlägen auf Moscheen oder islamische Zentren. Ausgedrückt wird letztlich immer eine herabsetzende und ablehnende Haltung gegen Menschen aufgrund ihres muslimischen Glaubens.

Politische Instrumentalisierung des islamistischen Extremismus

Seit den Anschlägen vom 11. Sept. 2001 haben muslimfeindliche Voten in Europa und speziell in der Schweiz vermehrt Eingang in den politischen Diskurs gefunden. Ob direkt in der Debatte um Burka- und Minarettverbote oder indirekt bei Migrations- und Integrationsthemen: Die muslimische Bevölkerung in der Schweiz muss immer wieder als Schreckbild oder Sündenbock herhalten.

Der Boden für diese neue Muslimfreindlichkeit wird vom gewalttätigen Dschihadismus bereitet. Die diffusen Ängste, welche die vielen extremistischen islamistischen Gruppen mit ihren Anschlägen und Gewalttaten hervorrufen, werden in Europa von den Rechtsparteien instrumentalisiert und in muslimfeindliche Parolen umgegossen. Dann sind plötzlich nicht mehr die gewalttätigen Extremisten das Problem, sondern der Islam an sich.

Seid Raad al-Hussein, der Uno-Hochkommissar für Menschenrechte, hat im August 2016 in einer vielbeachteten Rede in scharfer Form gegen populistische Politiker/innen in Europa Stellung genommen, welche Muslimfeindlichkeit zu einem festen Bestandteil ihrer Politik machen.

Islamfeindlichkeit und Islamkritik

Die Rechtspopulisten/-innen machen direkt oder indirekt «den Islam» für den islamistischen Terror verantwortlich. Wenn die islamische Religion als solche verteufelt wird, sprechen wir von «Islamfeindlichkeit» (auch «Islamophobie» genannt). Diese Ideologie verwendet also negative Stereotype und Narrative, um «den Islam» pauschal abzuwerten. Muslimfeindliche Haltungen in der Politik und im Alltag stützen sich oft auf solche islamfeindliche ideologische Bruchstücke.

Allerdings wäre es falsch, jede Kritik an islamischen Glaubensinhalten und Praktiken als islamfeindlich zu bezeichnen. Im Gegenteil: Eine kritische Auseinandersetzung mit religiösen Inhalten ist in einer aufgeklärten Gesellschaft selbstverständlich in der Regel legitim. Wenn muslimische Gläubige oder Organisationen jede Art von Kritik an ihren heiligen Texten als «islamfeindlich» brandmarken, so schiessen sie weit über das Ziel hinaus und versuchen, alle religiös gerechtfertigten Normen und Handlungen gegenüber Kritik zu immunisieren. Vielmehr sind alle fairen und sachlichen Formen von Islamkritik (wie auch aller übrigen Religionskritik) von der Meinungsäusserungsfreiheit geschützt.

Wo aber ist die Grenze zwischen der erlaubten Islamkritik und der verpönten Diffamierung des Islams? Philosophisch liegt die Grenze dort, wo sich der aufgeklärte Verstand selber untreu wird und zu unredlichen rhetorischen Mitteln greift, um die islamische Religion als solche schlecht zu reden - also dort, wo der kritische Verstand pauschalisiert statt differenziert. Rechtlich ist die Grenze dort, wo unter dem Vorwand der Religionskritik eine hetzerische, die Menschenwürde verletzende Rede vorgetragen wird. Allerdings ist es im Einzelfall oft schwierig zu beurteilen, wo diese Grenze überschritten ist.

Weiterführende Informationen

Debatten in der schweizerischen Politik

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