Gewalt gegen ältere Menschen immer noch ein Tabu

 

In regelmässigen Abständen finden sich in der Presse Meldungen zu gewalttätigen und diskriminierenden Übergriffe gegen ältere Menschen, ob zu Hause oder in Pflegeheimen. So auch wieder in den letzten Wochen, wo über Vorfälle in einem Zürcher Pflegeheim berichtet wurde. Pflegerinnen und Pfleger machten erniedrigende Filmaufnahmen von dementen Menschen in ihrer Obhut. Und immer wieder wird die Forderung laut, der Tabuisierung dieses Themas entgegenzutreten.

Die meisten Vorfälle zu Hause

In einem Interview des Tagesanzeigers hielt der Zürcher Stadtarzt fest, dass die weitaus meisten Übergriffe gegen pflegebedürftige Alte zu Hause passieren. Angehörige fühlen sich in der physisch und psychisch häufig anstrengenden Pflege überfordert, trauen sich aber nicht, Hilfe von aussen zu holen. Aus dieser Überforderungssituation heraus kommt es zu gewalttätigen Übergriffen. Er empfielt deshalb, Entlastungsangebote wie die Spitex oder auch Tagesheime frühzeitig zu nutzen, bevor die Situation eskaliert. «Misshandlungen sind ein Zeichen der Überlastung. Also sollte diese gar nicht erst entstehen können.»

Schlechte Arbeitsbedingungen in der Pflege

Die Arbeitsbedingungen insbesondere in der Altenpflege sind häufig nicht gut. Die physischen und psychischen Belastungen in diesem Beruf sind sehr hoch, werden jedoch nur gering honoriert. Aus Spargründen wird Personal eingespart oder gering ausgebildete Personen eingesetzt, wie die Geschäftsleiterin des Berufsverbands für Pflegefachfrauen und -männer (SBK) kritisiert. So werde zunehmend ausländisches Personal zu einem tieferen Stundenansatz beschäftigt. Diese Pflegerinnen seien jedoch im Umgang mit hochbetagten, gebrechlichen und mental eingeschränkten Heimbewohnerinnen oft überfordert – nicht nur aus sprachlichen Gründen. «Wer Demenzkranke pflegt, müsste auch den kulturellen Hintergrund der Patienten kennen.»

Pflegenotstand?

Diese Situation wird sich in den nächsten Jahren noch zuspitzen, wenn es durch die zunehmende Überalterung der Gesellschaft zu einem akuten Mangel an ausgebildeten Fachkräften kommen wird. Eine aktuelle Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatorium (Obsan) geht von 33'000 fehlenden Pflegekräften aus, wobei der Bedarf an Pflegerinnen und Pflegern am stärksten in der Altenpflege steigen wird. 

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04.03.2009