«Business and Peace»: Neues Forschungsprojekt von Swisspeace

Multinationale Unternehmen sind heute in fast allen Gebieten der Welt präsent, immer mehr auch in Krisen- und Konfliktregionen. Damit können Unternehmen zu Hindernissen oder Helfern für die traditionellen Akteure der Friedensförderung wie Staaten, NGOs, Hilfswerke und Gewerkschaften werden. Um das rechtliche Vakuum aufzufüllen, in dem die wirtschaftlichen Aktivitäten in solchen Ländern stattfinden, werden von Seiten der Zivilgesellschaft seit einigen Jahren verbindliche internationale Standards gefordert, welche die Rechte und Pflichten der Unternehmen festlegen.

Verschiedene internationale Organisationen verfügen über solche Standards, wobei es sich bislang lediglich um rechtlich unverbindliche Verhaltensempfehlungen handelt. Bekanntestes Beispiel hierfür ist der von der UNO lancierte „Global Compact“, in dem sich die Unternehmen freiwillig verpflichten, neun grundlegende Menschenrechts-, Arbeitsrechts- und Umweltprinzipien einzuhalten. Zu nennen sind des Weiteren auch die „UNO-Normen für die Verantwortlichkeiten transnationaler Unternehmen im Hinblick auf die Menschenrechte“, die 2003 von der Menschenrechts-Subkommission verabschiedet wurden. Diese UNO-Normen basieren auf existierenden international anerkannten Standards und bedeuten deshalb einen wichtigen Schritt hin zu einem international verbindlichen Regelwerk für Unternehmen.

Der Privatsektor spielt auch für das offizielle Engagement der Schweiz im Rahmen der zivilen Friedensförderung eine wichtige Rolle. So versucht die Politische Abteilung IV des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) in Zusammenarbeit mit dem Privatsektor, Handlungsoptionen zu definieren, die den negativen Einfluss wirtschaftlicher Akteure in Krisengebieten zu minimieren und ihren positiven Einfluss besser auszuschöpfen. Des Weiteren beschäftigen sich in jüngerer Zeit auch das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) und die Direktion für Wirtschaft und Entwicklung (DEZA) vermehrt mit Fragen der Unternehmensverantwortung.

Vor diesem Hintergrund hat Swisspeace unter dem Namen "Business and Peace" ein neues Forschungsprojekt lanciert, das die Rolle und Verantwortung der Wirtschaft in der globalisierten Welt untersuchen soll. Ziel des Projektes ist es, Strategien zu erarbeiten, die zum nachhaltigen Abbau von konfliktverursachenden Wirtschaftstätigkeiten beitragen. Die wissenschaftlichen Tätigkeiten des Projektes umfassen zur Zeit folgende Schwerpunkte:

  • Erforschung der Massnahmen zur Förderung der Unternehmensverantwortung im Rahmen einer neuen schweizerischen Aussenpolitik;
  • Untersuchung von potentiellen (positiven und negativen) Einflüssen wirtschaftlicher Tätigkeiten auf Gewaltkonflikte;
  • Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Fair Trade und Konflikten und Evaluation des möglichen Beitrags von Fair Trade Modellen zur Friedensförderung;
  • Integration des Konfliktaspektes in Risikoanalyse-Prozesse von internationalen Unternehmen.

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