Update: 27.03.2017

Homosexualität als Straftat

Eine Mehrheit der konservativen islamischen Gelehrten beurteilt homosexuelle Handlungen als Straftat. Der Koran macht hierzu keine Angaben; meistens wird von den islamischen Gelehrten jedoch Bezug auf die Straflegende von Prophet Lot im Koran genommen. Auch über das Strafmass sind sich die Gelehrten nicht einig; das traditionelle islamische Recht unterscheidet zwischen dem aktiven und passiven Partner sowie zwischen unverheirateten und verheirateten Personen. Die arabische Bezeichnung für Homosexualität existierte bis ins 20. Jahrhundert nur in der Form von Analverkehr (liwat). Das klassische islamische Recht zieht dabei mehrheitlich einen Analogieschluss zum Verbot vom ausserehelichem Sex (zina). In der arabischen Dichtung war Homoerotik bis ins 19. Jahrhundert äusserst präsent. Erst mit dem europäischen Einfluss und der Entwicklung des Konzeptes Homosexualität in der folgenden Zeit hat sich dieses allmählich gewandelt.

Strafrechliche Sanktionen

Homosexualle Handlungen werden in den meisten islamischen Ländern streng verfolgt. Mehrere Länder (z.B. Jemen, Iran, Sudan, Saudi-Arabien, Nordprovinzen von Nigeria, Mauretanien, die Vereinigten Arabischen Emirate) sehen für sexualle Handlungen zwischen zwei Männern die Todesstrafe vor, für Frauen gelten oft etwas mildere Bedingungen. Die meisten anderen islamischen Länder legen Haftstrafen oder Auspeitschungen fest; das Strafmass variiert dabei von einigen Jahren (Beispiel Algerien und Marokko) bis zu siebzehn Jahren (Beispiel Ägypten).

In wenigen islamischen Ländern ist Homosexualität entkriminalisiert (z.B. Albanien, Türkei, Libanon (seit 2014), Jordanien, Irak und West-Bank in Palästina). Kuwait und Palästina bestrafen die sexuellen Handlungen zwischen zwei Frauen grundsätzlich nicht. Jedoch anerkennt keines dieser Länder eine rechtliche Beziehung zwischen homosexuellen Partnern. Die Adoption von Kindern und Militärdienst sind für Homosexuelle untersagt. Einige der Länder erkennen eine Geschlechtsumwandlung rechtlich an.

Neben den strafrechtlichen Folgen können die Verfolgung und Diskriminierung im engeren Umfeld sowie seitens der Gesellschaft für die Betroffenen beträchtlich sein.

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