Update: 10.09.2018

Länderinformation: Menschenrechte in Brasilien

Hier finden Sie eine Kurzinformation zur Menschenrechtssituation im Land sowie eine Reihe von erstklassigen Suchhilfen für eigene Recherchen. Die nachstehenden Informationen vermitteln einen ersten Überblick über wichtige Menschenrechtsprobleme in Brasilien; sie erheben keinen Anspruch auf Genauigkeit oder Vollständigkeit.

Kurzinformation zur Menschenrechtslage

Die schwerwiegendsten Menschenrechtsverletzungen betreffen den Menschenhandel, insbesondere zum Zweck der sexuellen Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen, die exzessive Gewaltanwendung durch Polizei und Gefängnispersonal (darunter Folter und aussergerichtliche Hinrichtungen) sowie generell unzumutbare Haftbedingungen. Vor und während der Fussballweltmeisterschaft 2014 und den Olympischen Spielen 2016 häuften sich Berichte über exzessive Gewaltanwendung durch die Polizei. Marginalisierte Gruppen und Personen aus den Favelas sind einem besonders hohen Risiko ausgesetzt. Rechtswidrige Tötungen durch die Polizei bleiben meist straflos. Frauen, Kinder und LGBTI-Menschen leiden unter Gewalt und Diskriminierung. Abtreibungen sind nur unter sehr restriktiven Voraussetzungen legal. In mehreren Bundesstaaten kommen Zwangsarbeit und Kinderarbeit vor; die Vorkehrungen zum Arbeitsschutz sind häufig ungenügend. Indigene Völker und ethnische Minderheiten werden diskriminiert. Konflikte um Land führten zu zahlreichen Tötungen von Landrechtsaktivisten/-innen und Umweltschützern/-innen. Tausende Menschen wurden Opfer von Zwangsräumungen. Verfahrensrechte werden teilweise missachtet; die Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen verläuft schleppend oder versandet.

In Brasilien gibt es keine nationale Menschenrechtsinstitution. Im Verlauf des Jahres 2017 wurden fast 200 verschiedene Vorschläge für Verfassungsänderungen, neue Gesetze und Gesetzesreformen eingebracht, welche die Menschenrechte zusätzlich einschränken. Hingegen verbesserte das neue Migrationsgesetz von Mai 2017 die Rechte von Migranten/-innen. 2017 flüchteten Tausende von Venezolanern/-innen nach Brasilien.

Die Nationale Wahrheitskommission brachte 2014 in ihrem Schlussbericht eine Vielzahl an Menschenrechtsverletzungen, welche während der Militärdiktatur (1964-85) begangen wurden, ans Licht. Weil das Amnestiegesetz von 1979 weiterhin in Kraft bleibt, wird eine juristische Aufarbeitung dieser Ereignisse verhindert.

(Stand vom September 2018. Quellen: Amnesty International, Human Rights Watch, US State Dep.)

Die besten Links für Recherchen

Sammlungen von Länderberichten zu Brasilien

  • Brasilien auf ecoi.net
    Gesammelte Berichte in Deutsch oder Englisch von diversen Quellen zur Menschenrechtslage im Land, mit Link zu Länderkurzinfos.
  • Brasilien auf unhcr.org
    Gesammelte Berichte in Englisch von diversen Quellen zur Menschenrechtslage im Land

Länderberichte von einzelnen Organisationen oder Institutionen

Ratings / Ranglisten / Indexe

  • Brasilien bei Reporter ohne Grenzen
    Brasilien belegt Rang 102 von 180 in der Rangliste der Pressefreiheit 2018. Für Meldungen zur Pressefreiheit in Brasilien siehe die verlinkte Website in Deutsch.
  • Brasilien bei Transparency International
    Resultatübersicht der aktuellsten Erhebungen zur Korruption in Brasilien, Informationen in Englisch.
  • Brasilien im Human Development Index
    Brasilien belegt Rang 79 im Entwicklungsindex 2016, der vom UNO-Entwicklungsprogramm publiziert wird, Informationen in Englisch.
  • Brasilien im Rule of Law Index
    Brasilien belegt im Jahre 2018 Rang 59 (von 113) in der Sparte «Fundamental Rights». Für weitere Faktoren der Rechtsstaatlichkeit in Brasilien vgl. die verlinkte Website (Informationen in Englisch).

Sonstiges

  • Reisehinweis Brasilien
    Informationen auf der Website des Schweizer Aussendepartementes (EDA), in Deutsch
  • Brasilien bei fairunterwegs
    Unabhängiges, nicht gewinnorientiertes Reiseportal, ohne Reisewerbung dafür mit einem Fokus auf konkrete Handlungsmöglichkeiten für einen fairen Umgang mit Mensch und Natur auf Reisen.

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