Update: 20.03.2018

Moderne Formen der Sklaverei: ein Überblick

Bereits die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte macht in Artikel 4 deutlich: «Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden; Sklaverei und Sklavenhandel sind in allen ihren Formen verboten.»  Doch auch nachdem heute kein Staat mehr die Versklavung von Menschen rechtlich legitimiert, gibt es weltweit nach wie vor verbreitete Formen von rechtswidriger extremer Ausbeutung, welche unter dem Sammelbegriff der «modernen Sklaverei» zusammengefasst werden. Nicht weniger als 40 Millionen Menschen sollen laut aktuellen Schätzungen zurzeit in Sklaverei und Zwangsarbeit leben.

Abschaffung und Verbot der Sklaverei

Die historische Sklaverei beruhte auf dem Eigentumsrecht von Menschen über Menschen; sie war in den Sklavenhaltergesellschaften kulturell anerkannt und rechtlich abgesichert.

Ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden der Sklavenhandel und die rechtlich legitimierte Sklavenhaltung in den westeuropäischen Staaten und ihren Kolonialgebieten zunehmend infrage gestellt, bekämpft und schrittweise verboten. In den USA musste die Abschaffung der Sklaverei im Jahre 1865 mit einem mehrjährigen Bürgerkrieg erkämpft werden.

Internationale Abkommen gegen die Sklaverei

Im «Übereinkommen betreffend die Sklaverei vom 25. Sept. 1926» des Völkerbunds verpflichteten sich die Vertragsstaaten schliesslich, «Sklavenhandel zu verhindern und zu unterdrücken» und auf die Abschaffung der Sklaverei in all ihren Formen hinzuwirken.

Das internationale Verbot und die Ächtung der Sklaverei wurde von den Vereinten Nationen zuerst 1948 als Grundsatz in die Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte übernommen und 1953 als internationales Abkommen, welches 1956 um das Zusatzübereinkommen über die Abschaffung der Sklaverei, des Sklavenhandels und sklavereiähnlicher Einrichtungen und Praktiken ergänzt wurde. Der Begriff der Sklaverei wurde in diesem Abkommen um Praktiken wie die Schuldknechtschaft, die Leibeigenschaft und den Verkauf von Frauen oder Kindern inhaltlich erweitert.

Internationales Verbot der Zwangsarbeit

Seit 1930 gilt zudem ein Übereinkommen über Zwangs- und Pflichtarbeit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO-Übereinkommen Nr. 29). Zwangsarbeit wird darin definiert als «jede Art von Arbeit oder Dienstleistung, die von einer Person unter Androhung irgendeiner Strafe verlangt wird und für die sie sich nicht freiwillig zur Verfügung gestellt hat.» (Art. 2 Abs. 1). Ausgenommen sind Arbeiten im Militärdienst, übliche Bürgerpflichten, Arbeit im Strafvollzug, notwendige Arbeit in Fällen höherer Gewalt  und Arbeiten, die dem unmittelbaren Wohl der Gemeinschaft dienen (Art. 2 Abs. 2).

Das ILO-Übereinkommen Nr. 105 über die Abschaffung der Zwangsarbeit von 1957 ergänzt die ILO-Konvention von 1930 um die folgenden Bedeutungen: Zwangsarbeit als Mittel politischen Zwanges oder politischer Erziehung oder als Strafe gegenüber politischen oder ideologischen Gegnern; als Methode der Rekrutierung und Verwendung von Arbeitskräften zur wirtschaftlichen Entwicklung; als Massnahme der Arbeitsdisziplin; als Strafe für die Teilnahme an Streiks; als Massnahme rassischer, sozialer, nationaler oder religiöser Diskriminierung.

Beide ILO-Übereinkommen gegen die Zwangsarbeit gehören heute zu den acht Kernarbeitskonventionen der Internationalen Arbeitsorganisation.

Das Konzept der modernen Formen der Sklaverei

Die historische Sklaverei beruhte auf einem rechtlich anerkannten Besitzverhältnis über die versklavten Menschen. Nach dem Verbot der rechtlich legitimierten Formen der Sklaverei hat sich die Bedeutung des Begriffs der Sklaverei ausgeweitet. Nun ist von «moderner Sklaverei» die Rede, wenn eine Person zum Zweck der wirtschaftlichen Ausbeutung unter der Kontrolle einer anderen Person steht, welche Gewalt- und Machtmittel einsetzt, um diese Kontrolle aufrechtzuerhalten.

Der Begriff der modernen Sklaverei ist allerdings nicht scharf definiert, sondern als Überbegriff für diverse Praktiken zu verstehen: Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft, Zwangsprostitution, Zwangsheirat, Menschenhandel. Man spricht deshalb von den «modernen Formen der Sklaverei». Dieses Konzept bezieht sich also auf vielfältige Situationen der Ausbeutung, die eine Person aufgrund von Drohungen, Gewalt, Zwang, Irreführung und/oder Machtmissbrauch aus eigener Kraft nicht verlassen kann.

UNO-Sonderberichterstatterin

Im Jahre 2007 setzte der UNO-Menschenrechtsrat erstmals eine Sonderberichterstatterin zur Bekämpfung der zeitgenössischen Formen der Sklaverei ein. Gulnara Shahinian war die erste Amtsinhaberin. Die Anwältin aus Armenien hatte vom UNO-Menschenrechtsrat den Auftrag erhalten, das Ausmass der zeitgenössischen Formen der Sklaverei, deren Ursachen und Konsequenzen aufzuarbeiten.

Seit 2014 wird dieses Amt von der südafrikanischen Anwältin Urmila Bhoola ausgeübt. Sie erstellt Länderberichte und in den Jahresberichten thematische Analysen, um zur Klärung der Fakten beizutragen und der Staatengemeinschaft konkrete Massnahmen zu empfehlen, welche die Abschaffung der modernen Formen der Sklaverei unterstützen.

Zum Ausmass der modernen Sklaverei

Die modernen Formen der Sklaverei haben das gemeinsame Merkmal, dass sie gesetzlich verboten sind und daher grösstenteils im Verborgenen ausgeübt werden. Dies erschwert eine zuverlässige Schätzung über deren Ausmass.

Die prominente Walk Free Foundation schätzt, dass sich aktuell etwa 45.8 Millionen Menschen in klassischer Sklaverei, Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft, Leibeigenschaft, Zwangsprostitution und Menschenhandel befinden. Die Stiftung deckt eigenen Angaben zufolge 167 Länder mit ihren Nachforschungen ab, hat Umfragen mit mehr als 42‘000 Personen durchgeführt und 161 Stellungnahmen von Regierungen ausgewertet. Auf dieser Grundlage erstellte die Stiftung den «Global Slavery Index» fürs Jahr 2016.

Die Methodik dieser Schätzung hat in den letzten Jahren einige Kritik hervorgerufen. Da die Umfragen nur in 25 Ländern stattfanden und dabei die Ergebnisse auf andere Länder mit ähnlichem Risikoprofil übertragen wurden, sind die gewonnen Erkenntnisse entsprechend unscharf.

Auswertung der Daten

Die Internationale Arbeitsorganisation ILO hat zusammen mit der Walk Free Foundation kürzlich den Bericht «The 2017 Global Estimates of Modern Slavery» publiziert, welcher die Daten der Walk Free Foundation von 2016 zusammenfasst und Folgerungen für die Handlungsebene zu ziehen versucht.

Dem Bericht zufolge waren 2016 40.3 Millionen Menschen Opfer moderner Sklaverei. Davon waren 24.9 Millionen von Zwangsarbeit betroffen, und 15.4 Millionen waren Opfer einer Zwangsheirat. Weiter waren rund 10 Millionen der Betroffenen minderjährig, also Kinder und Jugendliche. Diese sind insbesondere Opfer von Zwangsheiraten und von sexueller Ausbeutung.

Wie schwierig die Quantifizierung und die genaue Abgrenzung der modernen Formen der Sklaverei ist, zeigt ein Vergleich mit den Zahlen des Kinderhilfswerks UNICEF der Vereinten Nationen. Dieses schätzt, dass weltweit etwa 168 Millionen Kinder zwischen 5 und 14 Jahren (mit-)arbeiten müssen. Selbst wenn nur ein kleinerer Teil davon als Kindersklaven gelten dürfte, ist die Problematik der Quantifizierung damit offenbar.

Kategorien der modernen Sklaverei

Die Gesichter der modernen Sklaverei sind vielfältig: Am meisten verbreitet ist die Zwangsarbeit im privaten Sektor, wovon die Schuldknechtschaft etwa die Hälfte ausmacht. Deutlich weniger Menschen sind von staatlicher Zwangsarbeit betroffen – vergleichbar der Anzahl von Frauen, die zur sexuellen Ausbeutung gezwungen werden. Eine deutlich grössere Anzahl von Frauen hat eine Zwangsheirat erfahren. Auch diese Kategorie gilt als Form moderner Sklaverei. In der Folge geben wir Erläuterungen zu einigen Kategorien moderner Sklaverei.

Erbliche Sklaverei

Bei der erblichen Sklaverei sind die historischen Bezüge am deutlichsten. Früher gerieten Kriegsgefangene, entführte Personen oder Schuldner in eine gesellschaftlich legitimierte Sklaverei, worauf ihre in Gefangenschaft gezeugten Nachkommen ebenfalls das Stigma der Sklaverei trugen. Diese erbliche Form der Sklaverei gibt es noch immer, wenn auch wegen der weltweiten Sklavereiverbote zunehmend weniger.

Doch hat beispielsweise Mauretanien die Sklaverei als weltweit letzter Staat erst 1981 gesetzlich verboten; und erst 2007 wurde das Verbot mit einer Strafandrohung belegt. Alte Strukturen sind hier noch immer am Werk und fest verwurzelt.

Der Global Slavery Index schätzt die Zahl der traditionellen Sklaven in Mauretanien auf 140‘000-160‘000, anteilsmässig so hoch wie nirgends sonst. Die mauretanische Organisation SOS Esclaves vermutet gar bis zu 600‘000 (also ca. 20% der Bevölkerung). Die herrschenden Eliten halten an der Unterdrückung fest und verheimlichen sie. Die Arbeit von Menschenrechtsorganisationen wird dabei aktiv verhindert. Bis heute wurden Sklavenhalter in Mauretanien erst ausnahmsweise verurteilt; auch weil die Gerichtsverfahren die Sklavenhalter begünstigen und die Sklaven in der Beweispflicht stehen.

Schuldknechtschaft

Weiter verbreitet ist heute die Schuldknechtschaft. In diversen Ländern vergeben Privatpersonen oder private Unternehmen bedürftigen und oftmals perspektivlosen Privatpersonen Kredite zu überhöhten Zinsen. Häufig wachsen die Schulden durch die Zinsen schneller als sie zurückbezahlt werden können. Dadurch kann ein Verhältnis der Zwangsarbeit entstehen: Die Schuldner sehen sich gezwungen, ihre Schulden abzuarbeiten, ohne reelle Chancen, dass dieses Ziel mit dem kleinen Verdienst zu erreichen ist. Die Arbeit findet häufig unter schlechten Arbeitsbedingungen, Gewalt oder Gewaltandrohung, Missbrauch und sexueller Ausbeutung statt. Schulden werden dabei auch über Generationen weitergegeben und bewirken dabei eine Form erblicher Sklaverei.

Diese Art der modernen Sklaverei gibt es weltweit. Am meisten verbreitet ist sie in asiatischen Ländern. In Indien sind es, in absoluten Zahlen gemessen, am meisten Sklaven weltweit: laut dem Global Slavery Index sollen rund 18 Mio. Menschen in Indien in moderner Sklaverei leben, viele von ihnen in Schuldknechtschaft. Obwohl das Land 1976 die Schuldknechtschaft legal aufgehoben hat, bleibt das System wegen schwacher Durchsetzung der Gesetze und der starken Verwurzelung des indischen Kastensystems intakt.

Besonders gravierend wird die Abhängigkeit für Schuldner/innen, die sich gegenüber einem Arbeitsvermittler für eine Arbeitsstelle in einem fernen Land verschuldet haben. Die vorgängigen Kredite und oftmals eingezogene Ausweise sind starke Mechanismen der Kontrolle und der Ausbeutung.

Menschenhandel zwecks sexueller Ausbeutung

Dem erwähnten ILO-Bericht von 2017 zufolge werden weltweit rund 4,8 Millionen Menschen sexuell ausgebeutet, 99 Prozent davon Frauen. 21 Prozent der Opfer sind minderjährig.

Der UN-Bericht Global Report on Trafficking in Persons von 2016 gibt an, dass 51% der Betroffenen von Menschenhandel erwachsene Frauen seien. Für Europa konstatiert er, dass 65% aller Fälle von Menschenhandel in der Sexindustrie identifiziert wurden. Die Schätzungen gehen in die Millionenhöhe, sichere Zahlen gibt es nicht.

Die meisten aufgedeckten Fälle von Menschenhandel im Sexgewerbe stammen in der Schweiz gemäss FIZ Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration aus Nigeria und Ungarn, gefolgt von Rumänien und Thailand. Identifizierungen gibt es überall dort, wo proaktiv ermittelt wird und auf Menschenhandel spezialisierte Ermittlungseinheiten bei der Polizei besser darin geübt sind, mutmassliche Opfer zu erkennen. Diese werden unter falschen Versprechungen in die Schweiz gelockt und zur Sexarbeit unter ausbeuterischen Bedingungen gezwungen. Aber längst nicht alle Sexarbeiterinnen sind von Menschenhandel zwecks sexueller Ausbeutung betroffen. Um Betroffene von  Menschenhandel identifizieren zu können, ist es wichtig, Menschenhandel von selbstbestimmter Sexarbeit zu unterscheiden. Nicht nur in der Sexarbeit, sondern auch in anderen Branchen können Frauen ausgebeutet und in ihrer sexuellen Integrität verletzt werden.

Menschenhandel zwecks sexueller Ausbeutung entsteht im Kontext von weltweit vorherrschenden Ungleichheits- und Machtverhältnissen und ist eng mit geschlechtsspezifischer Diskriminierung verknüpft. Frauen haben weltweit weniger Zugang zu Bildung und Erwerbsarbeit als Männer und tragen den Grossteil der Verantwortung für ihre Familien. Dies macht sie verletzlich. Menschenhändler nutzen diese Verletzlichkeit aus. Die wirtschaftliche Prekarität in den Herkunftsländern und restriktive Migrationsregimes sowie die Nachfrage nach billigen und gefügigen Arbeitnehmerinnen in den Zielländern treiben Frauen in die Arme vermittelnder Drittpersonen. Diese täuschen sie oft über Art und Bedingungen der Arbeit.

Zwangsheirat

Obwohl in vielen Ländern kulturelle Praktiken die Grundlage für Zwangsheiraten oder für den Brautkauf sind, zählt die Zwangsheirat auch als eine Kategorie der modernen Sklaverei. Oftmals sind davon minderjährige Mädchen betroffen. Die Gründe für solche Heiraten können mannigfach sein. In ärmeren Familien werden die jüngeren Mädchen verkauft, um die Familie zu entlasten und zu versorgen, oder um Schulden zu begleichen. In Kriegsgebieten werden bisweilen Mädchen entführt, misshandelt oder an Kämpfende verheiratet. Gerade diese Formen der Zwangsheirat haben einen zweifelsohne gewalttätigen Charakter und bilden die Grundlage für eine langjährige physische und sexuelle Misshandlung und Ausbeutung.

Brautkauf ist beispielsweise in China noch sehr weit verbreitet und geht häufig mit Menschenhandel einher. Auch hier sind die treibenden Gründe die Armut ländlicher Familien sowie der Überfluss an Männern gegenüber Frauen. Die meisten chinesischen Familien wünschen sich eher Söhne als Töchter, was (mittels Abtreibungen) zu einem Ungleichgewicht der Geschlechter führt. Gleichzeitig müssen Männer für Frauen traditionellerweise eine hohe Aussteuer aufbringen – meist ein Vielfaches davon, als wenn sie eine Frau kaufen würden. Diese erhalten sie billig von professionellen Schmugglerbanden, die junge Mädchen aus den angrenzenden Ländern wie Laos, Vietnam oder Nordkorea entführen.

Kinderarbeit

Rund ein Viertel der modernen Sklaven sind Kinder. Viele von ihnen schuften in Haushalten oder auf landwirtschaftlichen Betrieben und Plantagen, etwa zum Anbau von Kakao oder Baumwolle. Viele Minderjährige fallen auch der Zwangsprostitution zum Opfer.

Kinderarbeit gibt es weltweit. Mit rund 10 Prozent der Kinder auffallend gross ist die Quote in Haiti. Hier arbeiten die Kinder als sogenannte «Restavèks», Haussklaven. Hauptsächlich aus Gründen der Armut schicken Eltern ihre Kinder als Hausangestellte zu wohlhabenden Familien, wo diese oftmals psychisch, physisch und sexuell missbraucht werden. Diese Zwangslage ist auch in anderen Ländern verbreitet.

Kindersoldaten

Die Internationale Arbeitsorganisation hat den Einsatz von Kindern als Soldaten als extreme Form von ausbeuterischer Kinderarbeit definiert. In Krisengebieten werden Kinder verschleppt und als Soldaten zwangsrekrutiert. Unter massiver Gewalt und Misshandlung werden die Minderjährigen dazu gezwungen, Kriegsgräuel zu vollbringen - Taten, die ein lebenslanges Trauma auslösen.

Aufsehenerregend waren die Berichte aus dem Kongo. Nach Ausbruch des Bürgerkrieges 1996 wurden Zehntausende von Kindern verschleppt und zu Kindersoldaten gemacht. Auch im Südsudan, wo seit 2013 ein Bürgerkrieg tobt, werden schätzungsweise 17‘000 Kindersoldaten eingesetzt.

Bekämpfung der modernen Sklaverei

Die Bekämpfung moderner Sklaverei steht auf der Agenda vieler Akteure. Dabei werden die strategischen Akzente unterschiedlich gesetzt.  In der Folge geben wir Hinweise auf die Handlungsansätze von zwei internationalen Akteuren.

Internationale Gewerkschaften: Wirtschaftliche Regulierung

Eine unlängst veröffentlichte Studie des Internationalen Gewerkschaftsbundes betont, dass vielen Regierungen weltweit erfolgreiche Schritte im Kampf gegen die moderne Sklaverei bereits gelungen sind. Doch die Aktionen seien noch zu wenig koordiniert.

Der Schlüssel zum Erfolg seien detaillierte Sorgfaltspflichten und -prüfungen bei wirtschaftlichen Aktivitäten. Versorgungsketten in Industrie- und Dienstleistungsunternehmungen müssten transparenter werden, damit die Strafverfolgung Verfehlungen etwa in den Bereichen Zwangsarbeit, Kinderarbeit oder extremer Ausbeutung ahnden könnte.

Die wichtigste Voraussetzung zur Bekämpfung der modernen Sklaverei sei der politische Wille. Denn Regierungen müssten ihre Bemühungen besser international koordinieren und Informationen austauschen. Sie müssten ihren Unternehmen klare Richtlinien vorgeben, wie mit den nationalen Gesetzen zur Eliminierung moderner Sklaverei umzugehen ist.

Jeder einzelne Staat ist gefordert, mit einer gezielten Gesetzgebung die menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten für Wirtschaftsunternehmen in einer verbindlichen Weise auszugestalten. Dies wäre ein enorm wichtiger Schritt zur Eindämmung der modernen Sklaverei.

ILO: Allianz 8.7 im Rahmen der Agenda 2030

Die Agenda 2030 der Vereinten Nationen bietet ein einmaliges weltweites Forum, um die Bekämpfung der modernen Sklaverei auf internationaler Ebene voranzubringen. Im Unterziel 8.7 verlangt sie «sofortige und wirksame Massnahmen […], um Zwangsarbeit abzuschaffen [und] moderne Sklaverei und Menschenhandel zu beenden».

Auf dieser Grundlage hat die Internationale Arbeitsorganisation ILO am 21. Sept. 2016 die «Alliance 8.7» als internationales Netzwerk zur Bekämpfung aller Formen der modernen Sklaverei gegründet. Die Kampagne verfolgt den Ansatz, sowohl Regierungen wie auch internationale und zivilgesellschaftliche Organisationen unter einem Dach zum gemeinsamen Handeln zusammenzubringen. Bis heute findet sich jedoch keine öffentliche Liste von beigetretenen Partner-Institutionen.

Der bereits erwähnte Bericht «The 2017 Global Estimates of Modern Slavery» wurde unter dem Label der Alliance 8.7 veröffentlicht. Im zweiten Teil enthält der Bericht eine Marschroute zur Beendigung der modernen Sklaverei bis 2030.

Nebst der internationalen Kooperation zwischen Staaten sowie zwischen Staaten und internationalen Organisationen sei die Schliessung von Lücken in der Gesetzgebung diverser Länder von Bedeutung. Als weitere Schritte zur Bekämpfung der modernen Sklaverei nennt der Bericht die Stärkung der Arbeitsrechte und der sozialen Rechte in der Schattenwirtschaft. Die Arbeitnehmer/innen seien vor Zwangsarbeit effektiv zu schützen. Weil moderne Sklaverei in Konfliktstaaten am besten gedeihe, betont der Bericht die Rolle der humanitären Hilfe in diesen Gebieten.

Übrigens versprachen die G-20-Regierungschefs in der Schlusserklärung zum Hamburger Gipfeltreffen vom Juni 2017, dass sie unmittelbare und effektive Massnahmen ergreifen würden, um bis ins Jahr 2025 Kinderarbeit, und - ohne Deadline - auch Zwangsarbeit, Menschenhandel und alle Formen moderner Sklaverei zu beseitigen. Allerdings möchte man beifügen: Nun müssen den Worten auch Taten folgen.

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